Ein Museumsbesuch in Oldenburg

Geschrieben von am 8. August 2006 19:11

Vom Landesmuseum für Mensch und Natur hatte ich schon viel gehört, so dass meine Erwartungen sehr hoch waren. Nun habe ich alle drei Dauerausstellungen besichtigt und stelle fest, dass meine Erwartungen sogar noch übertroffen wurden: ein grandioses Museum!
Die Ameisen im Moor, Steine, die fliegen, ein Großsteingrab, und Schweinsköpfe aus Pappmasché an der Wand – alles so perfekt inszeniert, wie ich es mag: erst staunen, dann nachschauen, was das wohl ist und dann die Erkenntnis (frei nach Walter Benjamin). In der im Mai diesen Jahres fertiggestellten Abteilung „Küste und Marsch“ entzückten mich die filigran wirkenden Hausmodelle aus Plexiglas und der Schnitt durch den Deich. Die Inszenierungen wirken sehr ästhetisch und durchdacht. Für jedes Exponat und für jede Botschaft, die vermittelt werden sollte, wurden künstlerische Lösungen gefunden. Ich glaube, es gab nur ein Modell, dass mich etwas befremdete, weil seine Ästhetik nicht zum Rest passte. Das Ganze wird in Räumlichkeiten präsentiert, die sehr hell und freundlich sind und dadurch unglaublich einladend wirken. Man wird nicht müde darin, ehrlich! Ich kann das Museum nur empfehlen: Hingehen, anschauen, begeistert sein!

Die Zitadelle von Bitche

Geschrieben von am 7. August 2006 12:12

Mächtig drohend steht die Zitadelle über Bitche, einem kleinen Städtchen an der deutsch-französischen Grenze in der Nähe von Zweibrücken im Département Moselle. Heute ist die Festung ein Museum: die Besucher erwartet ein Rundgang zu Architektur und Geschichte in 12 Stationen (Schilder), ein kleines Museum zur Kriegssituation 1870 und ein unterirdischer Filmparcours. Das Wichtigste bei der Besichtigung ist der Kopfhörer, der mit Infrarot funktioniert und für die zahlreichen deutschen Besucher natürlich auch auf deutsch läuft. Im Film, der den Besucher in kleinen Häppchen dosiert ins Innere der Anlage führt, geht es um die 230-tägige Belagerung der Bayrischen Truppen während des Krieges 1870/71 zwischen Frankreich und den deutschen Landen. Der Filmparcours wurde im Mai 2006 neu gestaltet und ist sehr aufwändig zum Teil in den Räumlichkeiten, in denen der Zuschauer steht, produziert. Als Erzähler und Chronist fungiert ein junger Mann, der als französischer Soldat vom Alltagsleben in der Festung und vor allem vom Kriegsgeschehen berichtet. Die Szenen in der Festung wurden selbst in Farbe gedreht, dazu kommen Einblendungen in schwarzweiss aus deutschen und französischen „Wochenschauen“, mit Flimmern und Knistern. Das ist so gut inszeniert, dass einige Besucher es gar nicht merken werden, dass es sich um nachgestellte Szenen (wie Bismarck am Schreibtisch, Königin Eugénie beim Spazierengehen) und nicht um Originalaufnahmen handelt.
Leider kam es den Machern des wirklich ausgezeichneten Filmes machmal mehr auf die Effekte an als auf historische Genauigkeit. So war alles etwas reißerisch: im Film wurde vergewaltigt, drastisch ein Bein amputiert, ein Baby geboren (auf wundersame Weise ohne Nabelschnur), vom blutigen Kriegsgetümmel ganz zu schweigen. Ich hatte manchmal gar keine Lust, hinzuschauen; es wäre interessant zu erfahren, was Eltern mit kleinen Kindern darüber denken (vielleicht ist das ein Tipp für Herrn Borchert vom Kulturelle Welten-Blog , einmal mit seinem persönlichen Museumsberater hinzugehen). Es wurde vieles nur angedeutet und nicht zu Ende geführt: Zum Beispiel wurde erzäht, dass das Wasser knapp wurde und man dringend für Nachschub sorgen mußte. Woher das Wasser dann kam, hat man nicht erfahren. Oder dass alle Tiere geschlachtet werden sollten – nachher zog der Kommandant mit seiner Truppe, der nach über 230 Tagen und den im Film geschilderten Leiden seltsamerweise wie geschniegelt wirkte, mit Pferden ab. Und man hat den genius loci zu wenig genutzt. Nur ab und an gab es ein paar kurze Erklärungen zu den Räumlichkeiten, in denen man sich gerade befand – und die waren schon sehr beeindruckend. Wieder nach oben geklettert, ging es im Museum, einen Raum von ca. 100 qm, mit dem Krieg weiter. Hier wurde ein Gedicht von Rimbaud vom „schlafenden Soldaten“, der anscheinend friedlich schlafend im Gras liegt, aber zwei Löcher im Kopf hat, inszeniert. Auf der einen Seite liegt der französische Soldat in einem Glassarg mitsamt Ausrüstung, auf der anderen Seite sein bayrisches Pendant – erstmals sind also museale Objekte zu sehen. Dazwischen sind ein paar Gewehre und ein paar aufgeblasene Fotos mit Kriegsszenen präsentiert, die wohl für die Front stehen. Auch hier werden Kriegsszenarien audiovisuell übermittelt. Zum Lesen der Texte, etwa der zur Geschichte der Zitadelle in einer Nische, muss man den Kopfhörer abnehmen – und verpasst hinterher wieder den Einstieg. Diese Dauerberieselung – auch beim Herumlaufen in der Festung – fand ich extrem störend. Ich hätte es besser gefunden, wenn ich selbst das Audio-Angebot etwa durch die Eingabe von Zahlen hätte bestimmen können. Als meine beiden Begleiterinnen und ich später rekapitulierten, was wir nun eigentlich erfahren hatten, war das erschreckend wenig. Der Tag fand dennoch einen unerwartet schönen und friedlichen Höhepunkt durch die Besichtigung des Jardin de la Paix, der im stolzen Eintrittspreis von 9 Euro enthalten war. In der 2002 eingeweihten Gartenanlage zwischen Festung und Stadt durften sich städtische Gartenkünstler austoben. Das Ergebis sind kleine, künstlerische Installationen zu Themen, die Pflanzen in einer mir bislang unbekannten Art und Weise präsentierten. Besser als die Bundesgartenschau in München, so lautete sogar das Urteil einer meiner Begleiterinnen.

Musée du quai Branly, die zweite

Geschrieben von am 2. August 2006 16:37

Auch wenn ich leider immer noch nicht in Paris war, kommen dennoch noch einige Anmerkungen zum Musée du quai Branly. Bei „Libération“ bzw. in ihrer Online-Version Liberation.fr habe ich am 20. Juli drei sehr interessante Stellungnahmen gefunden, die ich hier vorstellen möchte.

Die ehemalige Kultur- und Tourismusministerin Aninata Traore von Mali beschreibt das Museum als einen Ort, in dem die Objekte zelebriert werden, die den Völkern gehören, die heute durch Migrations-Gesetz von Sarkozy (der französische Innenminister) zurückgewiesen werden. Madame Traore schildert weiter, wie sie vor einiger Zeit von der damaligen Kulturministerin Frankreichs, Catherine Trautman, gebeten wurde, den Verkauf einer Figur der Tial, die einen belgischen Sammler gehörte, zu autorisieren; die Figur war, wie so viele andere, nach Europa „gebracht“ worden. Da Traore sich nicht daran beteiligen wollte, ein Stück reinzuwaschen, das höchstwahrscheinlich illegal aus Mali geschmuggelt worden war, schlug sie vor, Frankreich solle die Figur kaufen und dann an Mali zurückgeben. Mali wiederum würde dann die Figur an das Museum ausleihen. Traore flog ganz schnell aus dem Entscheidungsgremium heraus, mit der Begründung, „dass das Geld des französischen Steuerzahlers nicht für den Erwerb eines Stückes verwendet werden könnte, das dann nach Mali zurückgegeben würde“. Mit ihrer Ansicht erwarb sie sich bei ihrer Regierung auch keine Freunde: Mali kaufte schließlich selbst das Stück, um es dann an das Musée du Quai Branly auszuleihen.
Meine Meinung: allein die Vorstellung, dass ich etwas kaufen müsse, das mir gehört, damit wiederum ein Dritter davon profitiert, finde ich absurd. Eine unschöne Geschichte am Rande oder symptomatisch für das Musée du quai Branly?

Die Ausstellungskuratoren Sylvie Grossmann und Jean-Pierre Barou verweisen darauf, dass die im Museum gezeigten Kunstwerke noch viele andere Bedeutungsebenen besäßen, diese aber nur auf das Schöne und Dekorative beschränkten. Es geht ihnen nicht nur um die „beaux-arts“, also die schönen Künste, sondern um die „beaux savoirs“ – also um das schöne Wissen. Insbesondere verweisen sie auf die enge Verknüpfung von Wissen und Kunst, die im Musée du quai Branly gar nicht auftauche. Die enge Verwandtschaft zwischen Schönheit und Gesundheit bzw. zwischen Malerei und Gesundheit wurde bei den (wie sagt man das nun korrekt?) Urvölkern? schon längst erkannt. Seit über einem Jahrzehnt bestehe ein reger Austausch zwischen medizinischen Experten von den Navajos oder aus Tibet mit Wissenschaftlern der westlichen Welt, die deren Kenntnisse für aktuelle Problematiken sehr schätzten. Die Autoren fordern deswegen eine Museographie, die wirklich die beaux savoirs anerkennt und nicht ständig von „anderen Kulturen“ spricht.

Patrick Prado schließlich, Antropologe, beleuchtet die soziale Rolle des Museums und seinen Blick auf die anderen. Die Sichtweise auf die Objekte habe sich nur unwesentlich verändert, von wild über ethnisch zu „Stamm“(-eskunst) handle es sich immer um unsere Definition. Interessant auch der Hinweis, dass aus den Objekten der anderen zunächst „exotische“ Künste im Plural, dann einfach zu Kunst im Singular wurde – was ja auch der phänomenalen Aufwertung auf dem internationalen Kunstmarkt entspricht. Patrick Prado fragt sich, ob die zeitgenössische Anthropologie, die sich mit dem „Studium der Menschen hier, und jetzt und weiter weg beschäftige“ im Musée du Quai Branly repräsentiert sei. Nein, so sein klares Urteil und das sei kein Zufall: „Es sind die direkten Nachkommen derjenigen, die diese Wunderwerke hergestellt haben, die an den Stacheldrähten unserer europäischen Abwehr sterben, die zu Hunderten zwischen Lampedusa, Gibraltar und den kanarischen Inseln ertrinken, die wie Pakete mit täglichen Charterflügen ausgewiesen werden, deren Kinder aus den Schulen unserer Republik gerissen werden, wenn sie nicht unter den Fahrgestellen unserer Düsenflugzeuge erfrieren.“ Er vermisst Spuren der Nachfahren im Musée du quai Branly. Und er sagt: wenn wir sie schon alle rausschmeissen, dann sollten wir ihnen auch ihr Eigentum zurückgeben.

Ausstellungsrezensionen

Geschrieben von am 31. Juli 2006 10:19

In der FAZ vom 29. Juli 2006 musste ich diesen Satz aus der Ausstellungsrezension mit dem Titel „Komponistenkummer“ von Michael Gassmann gleich mehrmals lesen:
Zitat aus der FAZ, S. 39:
„Die Einweisung in die Irrenanstalt am 4. März 1854 nach dem Selbstmordversuch mitten im lauten Düsseldorfer Karneval bedeutete, so könnte man sagen, einen letzten radikalen Rückzug ins Private.“
Die Rede ist von Robert Schumann, und man weiss jetzt nicht, was schlimmer war: der Selbtsmordversuch „mitten im lauten Düsseldorfer Karneval“ oder die Einweisung in die Irrenanstalt „mitten im lauten Düsseldorfer Karneval“. Den „Rückzug ins Private“ führt Gassmann immerhin noch weiter aus. Wie und warum der Komponist überhaupt nach Düsseldorf kam, ist nicht klar, ist im Satz davor doch von Endenich die Rede (heute ein Stadtteil von Bonn). War etwa die Irrenanstalt in Endenich? Der Satz ist typisch für die Ausstellungsrezenison über zwei Robert Schumann-Ausstellungen in Bonn – wie ich sie eigentlich nicht lesen möchte: sehr viel Details aus Schumanns Leben, die Kennern bestimmt sehr wohl bekannt sind, anderen (wie mir) aber nicht und die auch nicht sortiert werden. Ich habe nichts gegen Texte mit hohem Niveau – aber eine Ausstellungsrezension soll doch auch auf eine Ausstellung neugierig machen, oder? Was mich natürlich auch interessiert, ist die Gestaltung und die Dramaturgie der Ausstellung. Dazu kein Wort, bzw. ein Halbsatz zu den Örtlichkeiten einer der Ausstellungen. Dass der Inhalt auch verpackt ist und bei Ausstellungen die Gestaltung immer, eigentlich immer mehr eine Rolle spielt, scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben. Dazu ein kleiner Tip: Wie man Ausstellungen besprechen kann, hat der Museologe Friedrich Waidacher in kompakter Form schon vor Jahren ins Netz gestellt, unter:
ausstellungen_besprechen.pdf

Kommunismus im Museum

Geschrieben von am 27. Juli 2006 11:11


„COME SEE A FORTY YEAR EPISODE OF BIG BROTHER“ so heißt es auf dem Plakat, das Coolzor in Prag entdeckt hat und das wohl vom dort ansässigen Museum des Kommunismus stammt. Von diesem selbst hat Coolzor ein weiteres Plakat abgebildet: das Museum wirbt darauf mit einer grimmig dreinschauenden Matroschka und hat eine interessante Wegbeschreibung „above Mc Donald’s“. Geht man auf die dort genannte Internetseite dieses Museums, dann findet man allerlei Kurioses, wie etwa die E-cards mit Arbeiter in Aktion, mit lustig gemeinten Sprüchen wie: „OPENING LATE, CLOSING SOON, ANNOYINGLY LONG LUNCH BREAK“. Ich finde, das klingt alles etwas zynisch.

Das Küstenmuseum Wilhelmshaven ist wieder offen!

Geschrieben von am 26. Juli 2006 10:10

Am Sonntag war es soweit: das Küstenmuseum Wilhelmshaven wurde wieder aufgeschlossen und präsentiert sich mit einer sehenswerten Dauerausstellung. Es geht um die Siedlungs- und Stadtgeschichte, und, wie der Namen schon sagt um die Küste, wie sie entstanden ist, wie sie erhalten bleibt, wie sie besiedelt und wie von ihr aus zu fremden Küsten gestartet wird. In dieser Ausstellung ist für jeden etwas dabei, ohne banal oder oberflächlich zu sein. Hinzu kommt eine angenehme Ausstellungsarchitektur, die atmosphärisch durch die ehemalige Exerzierhalle der Marine begleitet, schöne Objekte wie die Steine, die ein Wilhemshavener Bürger von jedem abgerissenen Bauernhaus sammelte und etikettierte, nette gestalterische Ideen, wie zum Beispiel der Leuchtturm, in dem sich zugleich der Fahrstuhl versteckt. Nicht nur Kinder können im Forscherlabor aktiv werden, indem sie sich wie die WissenschaftlerInnen auf die Spurensuche begeben. Wer sich in der Sommerfrische an der Nordsee befindet, sollte auf jeden Fall einmal hineinschauen!

„Scénographies d’architectes” – 115 Ausstellungen ausgestellt

Geschrieben von am 25. Juli 2006 09:16

Das „Centre d’information, de documentation et d’exposition d’urbanisme et d’architecture de la Ville de Paris“ zeigt in einer Ausstellung im „Pavillon d’Arsenal“ 115 Beispiele von Ausstellungsarchitekturen, die von renommierten Architekten gestaltet wurden. Die Schau versammelt schwerpunktmäßig europäische Ausstellungen der letzten zehn Jahre; die beteiligten Architekten/innen stammen aus der ganzen Welt.

Etliche der präsentierten Ausstellungen sind dem Thema „Architektur“ gewidmet, oft handelt es sich um monographische Präsentationen nach dem Motto „Rem Kolhaas zeigt Rem Kolhaas“, doch gibt es auch viele Beispiele gelungener Ausstellungsgestaltungen zu den unterschiedlichsten kulturhistorischen Themen zu sehen.
Dominique Perrault, der als Gestalter für diese Meta-Präsentation verantwortlich zeigt, hat sein Material einem strengen, egalitären Zeigemodus unterworfen: Für jedes Fallbeispiel steht ein Leuchtkasten von ca. 160 x 100 cm zur Verfügung. So hängen im Ausstellungsraum im Obergeschoss des Arsenal etwa 60 solcher Kästen von der Decke, die jeweils auf der Vorder- bzw. Rückseite eine Ausstellung präsentieren: ein kurzer Text, der die Aufgabe umreißt, zwei, drei Fotos und ein Grundriss, mehr geht nicht. Nur in einigen, wenigen Fällen wird noch ein Modell der Ausstellung gezeigt.
Die Qualität dieser Ausstellung liegt sicher nicht darin, dass sie zu jedem der gezeigten Ausstellungsbeispiele auf die besonderen Herausforderungen der inhaltlichen oder didaktischen Konzeption eingeht, oder besonders raffinierte Lösungen für einzelne konservatorische Probleme darstellt. Nein, ihre Qualität liegt in der Masse und in der Vielfalt, die sie aufzeigt. Was ist der aktuelle künstlerische Stand in der Disziplin der Ausstellungsgestalter? Welche innovativen Materialien verwendet Zaha Hadid? Wie geht Coop Himmelblau mit Videopräsentationen im Raum um? Wie integrieren zeitgenössische Architekten die Typographie in ihre Entwürfe? Diese Ausstellung ist so etwas wie ein begehbares Musterbuch, ein breiter Fächer frischer szenographischer Ideen.
„Rezepte“ für meine nächsten Ausstellungsgestaltungen finde ich hier nicht, schon gar keine allgemein-verbindlichen Handlungsanweisungen für szenographische Aufgaben. Dafür Inspiration und „Appettitanreger“ in Hülle und Fülle“.
Apropos Musterbuch: Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Er stellt alle gezeigten Ausstellungsbeispiele mit den Bildern und den äußerst knappen Texten der Leuchtkästen vor, liefert also keine wesentliche inhaltliche Vertiefung der Ausstellung
Das Buch – es ist etwa 3,5 cm dick, farbig, gut gedruckt, aber Typo und Bindung sind leider etwas unergonomisch – kostet 38 Euro und kann über die Arsenal-Homepage bestellt werden.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. 10. 2006; Öffnungszeiten, etc auf der Internetseite.
Allen, die in diesem heißen Sommer noch nach Paris fahren, empfehle ich, nach dem Ausstellungsbesuch ein Eis bei Berthillon auf der nahegelegenen kleinen Seineinsel zu genießen;-)

Thomas Rößler Dipl. Des.
Historisches Museum Saar
Schlossplatz 15
66119 Saarbrücken

Neuer Kulturdezernent, neues Museum

Geschrieben von am 20. Juli 2006 12:30

In Frankfurt am Main wird es künftig ein eigenes Haus für die bislang im Historischen Museum untergebrachten Karikaturen geben. Ganz bescheiden strebt man den Titel „Deutschen Karikaturenmuseum“. In der Tat gibt es in Deutschland so viele Werke – nämlich um die 5000 – der Neuen Frankfurter Schule nur hier. So hat Robert Gernhardt noch kurz vor seinem Tode dem Museum seine Bilder überlassen. Es sollen wohl auch Werke aus dem 19. Jahrhundert, die sich zur Zeit noch in der Sammlung des Historischen Museum befinden, dem neuen Museum zugeschlagen werden. Geplant war dies schon eine Weile, der neue Kulturdezernent Semmelroth macht nun seine erste Amtshandlung draus. Untergebracht wird die Institution im Leinwandhaus – ein gotisches Steinhaus aus dem 14. Jahrhundert, das nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg aber wohl einigermaßen originalgetreu wieder aufgebaut wurde, wie Wikipedia weiss und das seinen Namen aus der Zeit hat, also dort Leinwand, Garn und ähnliches aufbewahrt wurde. Weichen müssen dafür: die Kommunale Galerie – diese wird aufgelöst; (ob das ein Verlust ist, kann ich nicht beurteilen, ich hatte noch nie von ihr gehört) und das „Fotografie Forum International“, das kleine, feine Ausstellungen macht. Dieses soll in ehemalige Behördenräumlichkeiten ziehen, wohin genau, ist noch unklar.
Die Frankfurter Rundschau hat darüber berichtet.

Weshalb gehen Sie eigentlich ins Museum?

Geschrieben von am 18. Juli 2006 16:41

Das „Ländle“ hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um für seine Landesmuseen zu werben. So heißt es auf der Museumsseite des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg:
„Hinterherpfeifen ist in unseren elf Landesmuseen nicht gestattet.“
Zu sehen sind elf Abbildungen von anscheinend weiblichen Wesen. Und als wäre dem noch nicht genug, heisst es da noch: „Natürlich sind spontane Gefühlsausbrüche bei solch prächtigen Exponaten verständlich. Doch bitte bedenken Sie: die Mitbesucher wie auch die Damenwelt schätzen viel mehr die leisen Töne.“ Aha. Logischerweise gibt es auch eine Seite für Museumsbesucherinnen, bzw. für die Damen. Hier heisst es: „Männer für gewisse Stunden“ – der „junge Schönling in Öl“ und der „bärtige Naturbursche aus dem Pliozän“ erwarten die Museumsbesucherin mit „offenen Armen“ – selbstverständlich nur tagsüber. Welcher Marketing-Teufel hat da nur das Ministerium geritten?

Was ist ein Weltkulturerbe?

Geschrieben von am 14. Juli 2006 13:52

Die Zeitung „Die Welt“ denkt heute über das „Dilemma der Beliebigkeit“ nach – über die von der UNESCO geführten Liste der Weltkulturerbe. Denn in Vilnius ist eben die Konferenz des Welterbekomitees zu Ende gegangen. Das Komitee berät darüber, ob eine Stätte neu aufgenommen, auf die Rote Liste oder von der Roten Liste wieder gestrichen wird. Die UNESCO weist darauf, dass sie vor der Aufnahme die „Einzigartigkeit“ und „Authentizität“ einer Kulturstätte überprüft bzw. bei einem Naturdenkmal die „Integrität“. Seit Juli 2006 hat die Organisation dies weltweit 848 Stätten bescheinigt – merkwürdig dabei ist, dass über ein Drittel davon, nämlich 348, in Europa liegen. Der Okzident hat sich also einmal mehr durchgesetzt, und mehr noch, die Kriterien scheinen sich immer beliebiger zu werden. „Die Welt“ befand zur Arbeit des Welterbekomitees (das sich aus 600 Delegierten aus 182 Staaten zusammensetzt): „Was auf der Welterbeliste der Unesco geführt wird, ist also das Ergebnis von Zufällen und höchst subjektiven Erwägungen, ist also nur Welterbe, weil die Unesco es so nennt.“ Das Problem sei, dass nicht eine unabhängige Jury selbst darüber befindet, was aufgenommen wird, sondern das Komitee nur über die eingereichten Vorschläge abstimmt.
Auch mir scheint, das Auswahlsystem sollte überdacht werden, vielleicht mehr Strenge, weniger Kompromisse. Denn ändert sich etwas, ob eine Stätte auf der Liste steht oder nicht? Am Beispiel von Köln und Dresden kann man das gut beobachten, denn in diesen beiden Städten bangte man um den Erhalt der Welterbestätten. Die eine wurden von der Liste gestrichen, da die Kölner sich durchgerungen hatten, die Hochhäuser in Köln-Deutz nun doch niedriger als geplant zu bauen, damit sie die Sicht auf das Weltkuturerbe Dom nicht beeinträchtigen. Dresden wurde nun auf die Liste gesetzt, da die geplante „Waldschlösschenbrücke“ inmitten der geschützten Elbauen gebaut werden soll. Für die Brücke hatten sich die Bürger und Bürgerinnen selbst entschieden, auch wenn die Gegnerschaft groß war und ist. Der UNESCO hatte man bei Antragsstellung falsche Angaben gemacht. Und wie sieht man in Dresden die Sache? Über den ganz eigenen Blick der Dresdner und Dresdnerinnen auf ihre Stadt durften wir schon während des ganzen Rummels um den Neuaufbau der Frauenkirche erfahren. So war nun im Spiegel zu erfahren, dass die städtische Riege der CDU-Politiker, weiter auf den Bau beharren. Denn, so ihr Kalkül, die Touristen kommen sowieso – egal, ob da eine Brücke steht oder nicht. Der Titel der Sendung, die der MDR heute abend ausstrahlt, ist bewußt provokant, passt aber gut dazu: Elbbrücke – Wird Dresden von der UNESCO erpresst?

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