Der Ochse vom Hessischen Landesmuseum

Geschrieben von am 14. Juli 2006 13:09

Dieser Ochse im Gewicht  von 21 Zentnern wurde am 15. Mai 1893 von der Metzger-Innung Darmstadt als erstes Schlachtvieh im neuen Schlachthof geschlachtetEine Trouvaille im Hessischen Landesmuseum Darmstadt und eine herzzerreißende Geschichte, auch für eine Nicht-Vegetarierin.
Auf der Messingtafel steht:
„Dieser Ochse im Gewicht von 21 Zentnern wurde am 15. Mai 1893 von der Metzger-Innung Darmstadt als erstes Schlachtvieh im neuen Schlachthof geschlachtet.“

Die Blechtür von Zinedine Zidane

Geschrieben von am 12. Juli 2006 11:52

Wie sich Fußball als Ausstellungsthema macht, durften wir ja in diesem Jahr reichlich erfahren. In Frankfurt gab es es etwa im Museum für Kommunikation in Frankfurt die Ausstellung „TOOOR! Zur Geschichte der Fußballreportage“ (nachzulesen auf HR-Online) und im Historischen Museum die köstliche Schau „Wie TITANIC einmal die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte„. Auch sei an dieser Stelle einmal auf die jahrelangen Bemühungen des Kollegen Martin Wörner hingewiesen, der für ein Deutsches Fußballmuseum kämpft.

Nun gibt es ein weiteres Objekt, das sich aufgrund seiner Geschichte hervorragend zur Musealisierung eignet: die Blechtür von Zinedine Zidane. Die Musée sentimental-taugliche Geschichte geht so: In der WM-Vorrunde 2006 trafen in Leipzig Südkorea und Frankreich aufeinander. Der Kapitän der französischen Mannschaft, Superstar Zinedine Zidane, genannt „Zizou“, hatte für diese Weltmeisterschaft seinen Rücktritt nochmals verschoben. Für einen sicheren Platz im Achtelfinale müßte Frankreich gewinnen. Doch es klappte nicht alles wie gewünscht. Zudem holte sich Zidane eine gelbe Karte; seine zweite. Damit war er für das letzte Vorrundenspiel gesperrt. In der 90. Spielminute, beim Stand von 1:1, ließ ihn der Trainer Domenech auswechseln. Sein Abgang hätte zugleich sein letztes Spiel bei dieser Weltmeisterschaft bedeuten können – wenn Frankreich die Vorrunde nicht überstehen sollte. Sichtlich erschüttert verließ Zidane den Platz in Richtung Umkleideräume und würdigte seinen Trainer keines Blickes. Die Wut war so groß, dass er der nächsten Blechtür einige Tritte verpasste. Die mit Trittspuren verunstaltete Tür verärgerte aber in Leipzig niemand, im Gegenteil: Verkaufsanfragen wurden abgelehnt.

Während dieses Stück Fußballkultur also verortbar ist und in situ berwahrt wird, werden in ein paar Jahren bestimmt einige Ausstellungsmacher nach der roten Karte suchen, die der Schiedsrichter im WM-Finale Zidane nach dem berüchtigten Kopfstoß vorzeigte.

Wann wird die Ausstellung "11 000 Kinder" auf deutschen Bahnhöfen gezeigt?

Geschrieben von am 11. Juli 2006 10:05

Seit einiger Zeit verweigert die Deutsche Bahn AG, eine Wanderausstellung auf ihren Bahnhöfe zu zeigen: „11 000 Kinder“ heisst die in Frankreich von der Organisation „Fils et Filles des Déportés Juifs de France“ konzipierte Ausstellung. Sie gibt den Opfern des Nationalsozialismus Gesichter, da die Bilder Jungen und Mädchen porträtieren, die auf der Schiene in die Todeslager gebracht wurden. Während auf den 18 französischen Bahnhöfen die Schau von den Reisenden gut angenommen wurde, befürchtet man auf deutscher Seite, dass die hektischen Bahnhofatmosphäre dem Thema nicht angemessen sei. Beate Klarsfeld (ja, die mit der Ohrfeige), die federführend in der Organisation tätig ist, sagte neulich in der Frankfurter Rundschau (29.6.06) dazu: „Es hieß, es gäbe kein Geld, etwa um die Ausstellung zu bewachen. Zudem könne man das deutschen Reisenden nicht zumuten.“ Wenn ich daran denke, was einem sonst auf den Bahnhöfen zugemutet wird (billige Ramschstände, Werbeaktionen von Autofirmen etc), dann wäre diese Ausstellung ein großer Gewinn – gerade auch für die Bahn, um mit der Aufarbeitung der eigenen Geschichte zu beginnen. Denn es wurden über die Gleise der Deutschen Reichsbahn, die heute die Deutsche Bahn AG nutzt, die Todes-Transporte durchgeführt. In einigen Orten wie in Weimar bildeten sich sogar Bürgerinitiativen für die Ausstellung, die diese Aufarbeitung fordern und den Opfern gedenken wollen – doch bislang vergebens. In Frankreich hat sich die SNCF hat sich zu dieser Verantwortung bekannt und stellte immerhin Stellwände, Aufsicht und Transport kostenlos zur Verfügung. Die Deutsche Bahn AG zieht sich hinter fadenscheinigen Argumenten zurück und möchte die Ausstellung ins hinterste Eck des Nürnberger Eisenbahnmuseums verbannen. Die resolute Frau Klarsfeld hat nun ein Ultimatum gestellt: Da das für gestern vorgesehene Gespräch mit der Deutschen Bahn AG und anderen kurzfristig abgesagt wurde, möchte sie bis heute um 14 Uhr einen anderen Gesprächstermin – oder sie mobilisiert die Weltöffentlichkeit. Dann bin ich ganz sicher, dass wir die Ausstellung bald im Frankfurter Bahnhof oder in einem Berliner Bahnhof sehen werden – und nicht in Hintertupfingen.

Neulich in Champlitte

Geschrieben von am 10. Juli 2006 16:31

Durch Champlitte kommt man eher zufällig, denn dieses malerische Örtchen in der französischen Region Franche-Comté liegt eher abseits touristischer Pfade. Der Ort ist aber einen Besuch wert: nicht nur wegen seines Weines, der dort (wieder) angebaut wird, sondern wegen eines Museum, dem Musée d’Art et Traditions populaires, 1957 gegründet von Albert und Félicie Demard. Das Museum gehört zu einem Verbund von drei Departementsmuseen und ist seit den 1960er Jahren im Schloss von Champlitte untergebracht. Die Gemeinde mit etwa 1500 Einwohnern und liegt ca. 50 Kilometer nördlich von Dijon. also in einer eher ländlichen, ursprünglich sehr reichen Gegend. Seit dem 13. Jahrhundert stand hier bereits ein Schloss der Familie de Vergy. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es öfters abgerissen, niedergebrannt und wieder aufgebaut. So, wie sich das Gebäude heute präsentiert, stammt es zum großen Teil aus dem 18. Jahrhundert. 1825 verließen es die letzten adligen Besitzer und verkauften das Gebäude an die Gemeinde; seitdem waren dort Rathaus und Schule untergebracht. Dann zog das Museum ein, dessen Sammlung sozusagen en famille entstanden war: Albert Demard aus Champlitte, seine Frau Félicie, (die beide inzwischen verstorben sind), und nun deren Sohn Jean-Christophe widmeten sich ihrer Heimat, indem sie die materielle Kultur zusammentrugen. Interessant dabei ist, dass die Demards keinen (bildungs)bürgerlichen Hintergrund hatten, sondern, wie man so schön sagt, aus einfachen Verhältnissen stammten und das Sammeln ihre große Leidenschaft war. Lesen Sie den Rest des Beitrags »

Wenn Museen online gehen

Geschrieben von am 5. Juli 2006 12:23

Mittlerweile haben es auch die Museen begriffen: eine gute Internetseite ist die Visitenkarte der Institution. Eine äußerst interessante Seite hat das Hessische Landesmuseum in Darmstadt zu bieten. Interessant deswegen, da nicht nur das Übliche präsentiert wird wie allgemeine Informationen, Sammlungsgeschichte und Ausstellungen. Gleich auf der Willkommensseite fällt oben ein horizontaler Streifen auf, der mit „Universum“ betitelt ist. Wenn man draufklickt, dann öffnet sich ein Fenster, das Universum, das noch weiter in die Rubriken Materie, Raum, Zeit und Energie unterteilt ist. Es geht dem Museum darum, „Bezüge zwischen Natur- und Kulturgeschichte anschaulich machen, getrennte Sammelauftritte als Einheit präsentieren“. Diese innovative Idee wird anschaulich in sehr schönen Flash-Animationen umgesetzt, mit schönen Bildern, kurzen Texten und lustigen Geräuschen. Ausprobieren!

Mein Senf zum MQB – Musée du quai Branly

Geschrieben von am 4. Juli 2006 15:02

Das neue Museum in Paris, auf das alle so lange gewartet haben, ist eröffnet: Staatspräsident Chirac hat nun endlich auch sein eigenes. Wahrscheinlich wollte er nicht mehr nur in die Häuser von seinen Vorgängern Giscard d’Estaing, Pompidou oder Mitterrand gehen.
Warum heisst das Museum eigentlich nicht nach Chirac? Lange Zeit sollte die Institution, die Sammlungen des Musée de l’Homme und des Musée National des Arts Afrique et d’Océanie neu präsentiert, als Museum der ‚arts premiers‘ deklariert werden. Da aber während des über 10jährigen Entstehungsprozess bis heute nicht genau geklärt werden konnte, was mit dem Begriff arts premiers nun eigentlich gemeint ist, mußte am Ende mal wieder der Standort herhalten. Für ein Musée Chirac ist es wohl doch noch zu früh. Es gibt inzwischen sogar Gerüchte, dass die Institution nach dem großen französischen Ethnologen Claude Lévi-Strauss benannt werden soll. Das wäre nur logisch: zwar ist das Ganze eine Herzensangelegenheit von Jacques Chirac gewesen, aber Lévi-Strauss hat es erst möglich gemacht. Als Ehrenvorsitzender der für das Museumsprojekt eingesetzte Kommission hatte er das bis zuletzt umstrittene Konzept von Anfang an unterstützt. Und wenn erst ein Lévi-Strauss dafür ist, dann ist das Geld vom Präsidenten eine Lappalie. Viel gäbe es noch zu sagen, ohne dass ich schon einen Fuß hineingesetzt hätte. Doch mehr dazu nach dem nächsten Paris-Besuch!

Alle haben darüber berichtet, deswegen nur einige special links:
Spiegel online
Deutsche Welle mit Kommentaren von der Museumsbloggerin
Blog „Kulturelle Welten“ mit weiteren Hinweisen

Der Museumsblog ist online!

Geschrieben von am 4. Juli 2006 14:46

Also, was ein Blog ist, weiss ich schon länger, da am Schreibtisch gegenüber der Macher des hervorragenden Betonblogs sitzt. Und dass ein Blog ein ideales Medium für Museen und Ausstellungen sein kann, hat ein Ex-Kollege aus Bonn erfolgreich in seinem Blog Kulturelle Welten vorgeführt. Dazu möchte ich nicht in Konkurrenz treten, sondern: die museale Bloglandschaft soll vielfältiger werden. Die Idee ist, Kolleginnen und Kollegen auch das Wort zu überlassen – sei es, um über eine sehenswerte Ausstellung zu berichten oder um Neuigkeiten aus der Welt der Museen zu verkünden. Denn es: es tut sich viel, nicht nur hierzulande.

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