Geschrieben von Nina Gorgus am 5. September 2006 09:41
Don Alphonso macht auf seinem Blog Rebellen ohne Markt einen bedenkenswerten Vorschlag für das Zentrum gegen Vertreibungen von Frau Steinbach in Berlin, als er in einem ungenannten Ort in Bayern ein Vertriebenen-Museum entdeckt, das von Steuergeldern betrieben wird, einen „halben Tag“ im Monat geöffnet hat und in das offensichtlich niemand hineingeht:
„Man sollte Steinbach uns Konsorten ihr bescheuertes Zentrum zur Bewichsung einer nicht mehr existierenden, ihnen im Grunde völlig gleichgültigen Heimat geben. Irgendwo in Berlin, in einem möglichst hässlichen DDR-Verwaltungsbau. Sollen sie doch die Geschichte aus ihrer Sicht erzählen, mit ein par öden Photos von Leuten, die 1938 zu 90% für Hitler waren, ein paar öde Trachten dazu und ein paar Karten mit Städtenamen, die heute nicht mehr relevant sind. Sollen sie es selber zahlen, und dann schaun wir uns in einem Jahr mal die Besucherzahlen an. Und dann unterhalten wir uns über die Notwendigkeit dieser Organisationen als Standartenträger für eine Geschichte, die sicher mies und eklig war, aber nach all den Entschädigungen, Transferleistungen und Nibelungentreueschwüren nur noch ein ekliger politischer Skandal zugunsten rechter Parteien ist.“
Auf Zeitgeschichte-online sind viele Materialien über das Zentrum gegen Vertreibungen zu finden.
Geschrieben von Nina Gorgus am 4. September 2006 09:54
Marc Zitzmann besuchte für die NZZ Online mehrmals das Musée du quai Branly in Paris und stellt in Hinblick auf die Architektur fest, „dass der erwartete grosse architektonische Wurf wohl leider nicht gelungen ist“. Auch was die Sammlung anbelangt, so zeigt er sich enttäuscht, da die Vorgeschichte und Vorgängerinstitutionen mit keinem Wort genannt werden: „So erscheint das Musée du quai Branly als eine Institution ohne Geschichte, eine Schöpfung ex nihilo.“ Er vermisst, dass den Nachfahren der „peuples d’origines“ nicht berücksichtigt wurden und dass man die Objekte allein aufgrund ihrer Schönheit und wegen ihres Alters ausstellt. Für sehr gelungen hält Zitzmann die Präsentation. Schade findet er es, dass viele Informationen erst im Nachhinein angebracht wurden und so den Eindruck stören: „Das 235 Millionen Euro teure Museum gleicht einem Haute-Couture-Kleid, das durch Sicherheitsnadeln zusammengehalten wird.“
Geschrieben von Nina Gorgus am 31. August 2006 11:54
Nach der Arno-Schmidt-Ausstellung (siehe Marbach I) in Marbach besuchten wir natürlich noch das neue LiMO, wie es so schick heißt, das Literaturmuseum der Moderne. Um es gleich vorneweg zu sagen: mir gefiel es dort nicht bzw. hatte ich mich wohl zu lange in der Arno-Schmidt-Ausstellung aufgehalten. Und es ist wie bei einem Restaurantbesuch: Stimmt das Ambiente nicht und das Personal ist pampig, dann kann das Essen noch so gut sein – der Geschmack ist etwas getrübt. So begeisterte mich weder das Gebäude noch die Ausstellung. Schon der Empfang war im Vergleich zur Ausstellung im Schiller-Nationalmuseum gelinde gesagt frostig. Das Personal wirkte überfordert. Immerhin half uns jemand nach dem dritten Versuch, die Tasche wie aufgefordert im Schließfach einzuschließen. Es ginge nicht so einfach, gab die Dame zu, da man die Schließfachtüren mit Filz überziehen mußte, da das Schlagen der Türen bis unten in der Ausstellung noch zu hören gewesen sei. Werden eigentlich Architekten nicht darauf getrimmt, alltagstaugliche Gebäude zu produzieren? Wir werden dann in den Keller entlassen, wo die Ausstellungsräume sind. Die Treppen, die kahlen Fluren, gr0ße Türen, die einen fast erschlagen – das erinnert mich alles an die Bibliotheque Nationale, Site François Mitterrand (die aufgeklappten Bücher von Dominique Perrault), und die Diskussionen, als diese eröffnet wurden: die BenutzerInnen fühlten sich an eine Fabrik erinnert und suchten vergebens nach sinnlichen Leseerfahrungen. Daran mußte ich denken, als ich die Ausstellung suche. Es handelt sich in der Hauptsache um einen Raum, in dem in langen Glasregalen viele, viele Kleinode ausgestellt sind. Hier stellten wir fest, dass uns etwas fehlte, was (fast) alle anderen hatten: eine tragbares Laptop mit Ohrstöpseln, das sehr kompliziert aussah, da die Leute mehr damit beschäftigt waren als mit den originalen Objekten. Ohne Laptop erschloss sich einem das Ganze nicht, da die Informationen sonst recht dürftig waren. An für sich waren die Objekte ganz witzig präsentiert und es ließ sich auch die Idee oder das Ordnungsprinzip erkennen. Es waren auch ein paar hübsche Dinge dabei; die langen Regalreihen machten es aber einem schwer. Mir fehlte die Anschaulichkeit, es gab zuviel Glas, es war zu kalt, es gab zuwenig Licht (ja, ich weiss, die berühmten 50 Lux, wer die nur erfunden hat?) und zu wenig Informationen (und die Arno-Schmidt-Ausstellung). Oben an der Kasse fragte ich nach dem Laptop und erfuhr, dass jede/r Besucher/in einen bekäme – das stünde ja auch auf der Liste. Der Herr an der Kasse zeigte mir die Liste mit Eintrittspreisen, die auf dem Eingangstresen appliziert war (genau da, wo man seine Sachen kurz ablegt) und wo in ungefähr ein Zentimeter Größe stand: „M3 inklusive“ oder so ähnlich. Aha. Auf die Feststellung, dass man das nicht lesen könne und man nicht unbedingt wisse, was sich dahinter verberge sei (ich kenne nur MP3-Player) und er doch als Aufsicht die Besucher darauf hinweisen müsse, reagierte er mit Unverständnis. Das klingt jetzt vielleicht etwas kleinlich, aber ich hatte keine Lust mehr, nochmals mit M3 die Ausstellung zu besuchen. Recht gibt mir im Nachhinein eine Glosse in der FAZ vom 29.8.2006 in der Rubrik „Technik und Motor“ mit dem Titel „Illtum“. Hier beschreibt der oder die Autor/in sein Erlebnis mit dem Laptop, mit dem man sich „wie ein Ladenschwengel zur Inventur oder wie ein Geometer bei der Landaufnahme“ fühle. Und: „Wer so gerüstet ins Pantheon der Schriftstellernation gelangt, erfährt experimentell, wie störend sich die Technik vor und zwischen die Notate von Stefan George bis Rolf-Dieter Brinkmann schiebt.“
Hier war jemand sehr begeistert: Ausstellungsbesuch im LiMo
Geschrieben von Nina Gorgus am 28. August 2006 16:19
So, nun ist schon wieder alles anders! Wir erinnern uns: erst sollte die Brücke im Elbtal gebaut werden, da die Bürger dafür votierten, dann kam das Weltkulturerbe dazwischen, da die UNESCO das Prädikat der Stadt aberkennen wollte, wenn diese die Brücke baute, dann wollte die Stadt den Bau aussetzen und die Bürger eventuell nochmals entscheiden lassen, dann sagte das Regierungspräsidium, dass es so nicht gehe, da solch ein Bürgerentscheid rechtsgültig sei und kündigte die Vergabe der Bauaufträge an, dann rief die Stadtverwaltung das Verwaltungsgericht an und das sagte heute: Stop!
„Nach einer Entscheidung des Dresdner Verwaltungsgerichts darf die geplante vierspurige Schneise vorerst nicht gebaut werden. Die vom Regierungspräsidium Dresden angeordnete sofortige Vergabe von Bauaufträgen sei gestoppt worden, sagte ein Gerichtssprecher.“
So berichtet Spiegel online. Der Museumsblog freut sich auf die Fortsetzung!
Geschrieben von Nina Gorgus am 25. August 2006 14:11
Nun wurden in Dresden also Tatsachen geschaffen:
So heißt es heute auf Spiegel-online:
„Heute ordnete das Regierungspräsidum in seiner Funktion als kommunale Aufsichtsbehörde dennoch den Baubeginn an – unbeeindruckt vom Veto des amtierenden Oberbürgermeisters Lutz Vogel (parteilos), der einer Aufforderung des Stadtrates gefolgt war. Erst vor kurzem hatte dieser mit rot-rot-grüner Mehrheit den Baustopp beschlossen: Man wollte nicht die Touristen vergraulen, die ihre Reisen an den Weltkulurerbe-Orten entlang planen.“
Dazu: Was ist ein Weltkulturerbe? auf dem Museumsblog vom 14.7.2006
Geschrieben von Nina Gorgus am 18. August 2006 10:28
Noch bis zum 27. August läuft die Ausstellung Arno Schmidt? – Allerdings!“ im Schiller- Nationalmuseum in Marbach am Neckar- die erste große Ausstellung zu und über Arno Schmidt. Konzipiert hat sie die Arno-Schmidt-Gesellschaft in Bargfeld, inszeniert hat sie der Typograph (!) Friedrich Forssmann, der schon seit Jahren an einem neuen (Druck-)Satz für das Monumentalwerk „Zettels Traum“ arbeitet. Auch wenn man, so wie ich, nur ein Buch von Arno Schmidt kennt, hat man an der Ausstellung viel Freude. Ein Grund liegt mit in der wirklich schönen, intellektuellen und nie langweiligen Inszenierung. Die Ausstellung ist in 10 Abschnitte unterteilt. Der Auftakt bildet eine Installation in einem abgedunkelten, halbrunden Raum, in dem Wortschnipsel von Schmidt sehr ansprechend projiziert werden. Lesen Sie den Rest des Beitrags »
Geschrieben von Nina Gorgus am 15. August 2006 12:24
Seit einiger Zeit bin ich nun Mitglied im Deutschen Museumsbund. Der direkte Anlass war die Mai-Tagung 2006 in Leipzig gewesen. Dafür hatte es sich aber leider gar nicht gelohnt, da die Vorträge und Diskussionen durchweg überhaupt nichts Kluges, Interessantes oder gar Neues brachten. Es mag sein, dass auf solchen Treffen allerlei wichtige Entscheidungen fallen, weil hier sehr wichtige Menschen zusammenkommen und in einen wichtigen informellen Austausch treten. Mir kam das Ganze eher vor wie ein großes Klassentreffen aller im Museum festangestellter Beschäftigten, die noch eine Dienstreise frei hatten. Mit einer Ausnahme: sehr verheißungsvoll fand ich den Vortrag von Volker Mosbrugger, seit 2005 Direktor des Naturmuseums Senckenberg in Frankfurt, weil er als einziger in einer soliden Power-Point-Präsentation ganz einfach aufgezeigt hat, woher das Museum kommt, was die Ziele sind und wie sie erreicht werden sollen – ohne die Floskeln, „man könnte“ oder „man sollte“ oder „wenn wir nur mehr Geld, Personal, Räumlichkeiten etc hätten…“ zu benutzen.
Nun ist das neue Museumskunde-Heft da, das ich als Mitglied auch bekomme. Darin geht es um „Neue Präsentationsformen in Naturkundemuseen“, also um eine Bestandsaufnahme. Zumeist handelt es sich um die Publikation von im November 2005 in Görlitz gehaltenen Vorträge; das Heft ist also relativ aktuell. Ich denke, man bekommt wirklich einen Eindruck davon, was in den Naturkundlichen Museen derzeit läuft. Besonders gut gefällt mir der Aufsatz von Ulrike Stottrop vom Ruhrlandmuseum in Essen, weil sie sehr schön zeigt, wie verschränkt Natur und Kultur gesehen werden muss und wie spannend das Ganze umgesetzt werden kann.
Geschrieben von Nina Gorgus am 14. August 2006 15:51
Zugegebenermaßen bekomme ich selten welche, da ich stolze Besitzerin einer ICOM-Karte bin und oft einfach durchgewunken werde. Darüber beklage ich mich gar nicht, sondern darüber, das das Eintrittsbillet häufig nicht mehr als ein Kassenzettel ist. Statt Gemüse und Wein steht dann „1 Erwachsener, voller Tarif“. Oder es gibt Plastikkärtchen, die man wie beim Metro-Fahren in eine Maschine stecken muss. Ich erinnere mich dunkel, irgendwann einmal schöne Bildchen in der Hand gehabt zu haben, die man danach noch prima als Lesezeichen nutzen konnte. Ich finde, mit einer kreativ gestalteten Eintrittskarte macht der Museumsbesuch gleich viel mehr Spaß. Deswegen nehme ich gerne Hinweise entgegen: In welchen Museen gibt es noch schöne Eintrittskarten?
Geschrieben von Nina Gorgus am 10. August 2006 13:35
Bei uns gibt’s was auf die Ohren!
Nachdem Nina Gorgus in ihrem Beitrag über die Zitadelle von Bitche das Thema angeschnitten hat, ergreife ich die Gelegenheit, eigene Erfahrungen mit Audioguides in Ausstellungen wiederzugeben und die verschiedenen Möglichkeiten miteinander zu vergleichen:
1. WALKMAN: konnte man sich in der Berliner Neuen Nationalgalerie gegen Pfand leihen.(oder gibt’s das System immer noch?) Die Kassette drin bot einen Überblicksrundgang zu ausgewählten Exponaten einer Ausstellung. Zu meinem Ausstellungsvergnügen hat stets die Tatsache beigetragen, dass Otto Sander als Sprecher verpflichtet worden war.Wenn er mit seiner speziellen Otto-Sander-Stimme aufforderte: „Schalten Sie das Gerät hier mal aus und lassen Sie das Gemälde auf sich wirken; wir sehen uns später im nächsten Raum!”, dann tat man doch meist brav, was er sagte. In Kleingruppen wurde die Diskussion über das gesehene durch den Guide nicht abgeblockt, sondern eher angeregt. Nett war, dass man die Kassettenführung zu einem akzeptablen Preis kaufen konnte. Auf der langen Heimreise noch mal die Ausstellung Revue passieren zu lassen, das hatte schon was. Lesen Sie den Rest des Beitrags »
Geschrieben von Nina Gorgus am 10. August 2006 10:06
In Hamburg ist derzeit eine Gruppe von 8 bis 10-jährigen Kindern unterwegs, um vier Tage lang insgesamt 10 ganz unterschiedliche Museen zu besuchen, eine Art Kinderqualitätscheck durchzuführen und die Häuser am Ende mit einer Schulnote für ihre kindgerechten Angebote zu bewerten, so die Meldung des Hamburger Abendblattes vom 08. August. Auf die Präsentation der Ergebnisse am 18. September darf man gespannt sein. Denn es ist immer noch eine bedauernswerte Tatsache, dass sehr viele Museen in Sachen Attraktivität für Kinder beträchtlichen Nachhilfebedarf haben (über die Suche nach für Kinder attraktive Museumsangeboten berichtet der Blog von Jörn Borchert). Oft beschränkt man sich auf ein Quiz, in dem mittels eines Fragebogens Wissen abgefragt wird, oder bietet Knöpfchen zum Daddeln, die anscheinend den Spieltrieb und Wissensdurst gleichermaßen befriedigen sollen. Die Chance des Museums, mittels der dort befindlichen historischen Realien und eben nicht über eine Spielkonsole Kinder neu- und wissbegierig zu machen und gleichermaßen zu unterhalten, scheint den Verantwortlichen nicht als Chance bewusst zu sein. Übrigens: Die Resultate des Museumschecks werden im Altonaer Museum vorgestellt, dem Haus, dessen große Erwartungen weckendes und ambitioniertes Projekt, der sogenannte Kinderolymp „Weltenbummel. Eine Reise in die Welt der Sinne“ leider auch auf durchaus geteiltes Echo stieß.