Virtuelle Museen

Geschrieben von am 24. Mai 2007 09:24

Manchmal habe ich Probleme mit den sogenannten Web-Ausstellungen, da oftmals nichts weiter gemacht wird, als Bilder zum selben Thema nebeneinander zu stellen. Nun hat die Österreichische Mediathek etwas vorgelegt, das mir sehr gut gefällt: eine akustische Chronik zu Österreich zwischen 1900 und 2000. Die ist graphisch sehr gut gestaltet, enthält viele Audio-Schnipsel (Musik, Radioausschnitte), Filme, Texte und Fotos – eigentlich eine audiovisuelle Chronik, wenn man es genau nimmt. Besonders gut gefällt mir die Zeitleiste, die dem Dekor der jeweiligen Zeit nachempfunden wurde. Eine kleine Kritik habe ich: mir fehlt ein einführender Text zum Projekt.

Lieblingsbilder

Geschrieben von am 22. Mai 2007 10:38

„Auf zur Parade der Augenschmeichler und Lieblingsbilder“, so heißt der Titel des Artikels von Heinrich Wefing (FAZ vom 19.5.2007) über die geplante Impressionisten-Ausstellung des Metropolitan Museum aus New York in Berlin. Es ist die zweite Auflage in der Neuen Nationalgalerie, und man wäre enttäuscht, so Wefing, wenn nicht mindestens ebenso lange Schlangen wie bei der MoMa-Ausstellung 2004 zustande kämen. Die Rechnung könnte aufgehen, geht es doch dieses Mal darum, Bilder französischer Impressionisten, die hinreichend bekannt sind, an die Wände zu hängen und als „originären amerikanischen Blick auf den französischen Impressionismus“ zu verkaufen. Was daran interessant sein soll, weiß Wefing auch nicht; für ihn klingt alles nach einem „kunsthistorischen Alibi“: „Nicht zufällig haben die Amerikaner die eigentlich naheliegende Idee, die exquisite New Yorker Auswahl einmal für vier Monate mit den wunderbaren Berliner Impressionisten zu einer einzigen, geradezu enzyklopädischen Gesamtkomposition ineinanderzuschieben, als gute Kaufleute energisch abglehnt: „Met“ muss „Met“ bleiben, das Profil der eigenen Marke darf nicht durch Zugaben verwischt werden.“
Die Berliner machen nun ihre eigene Impressionisten-Schau in der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel.
Halb Berlin ist anscheinend schon mit Plakatwerbung vollgekleistert, die mit schön-altmodischen Luftpostumschlägen mit einem Rand in bleu-blanc-rouge daherkommt. Einen Eindruck davon kann man sich auf der website machen. Mein Geschmack ist es nicht, obwohl die Seiten übersichtlich und mit einigen netten Tricks versehen sind.

Schwindlig interaktiv

Geschrieben von am 18. Mai 2007 10:01

Wer den Zustand des sich Schlechts- und Schummrig-Fühlens erreichen und dabei noch die gute Laune bewahren möchte, der sollte schleunigst in die Op-Art-Ausstellung in der Schirn in Frankfurt gehen. Auch wenn man die allermeisten Objekte nicht berühren darf, kann man doch mit den Werken, sei es durch Blicke oder Bewegung, in Kontakt treten. Das macht Spass, ist interaktiv und sehr kommunikativ. In der Sprache des Museums heißt das so: „Sie lassen den Besucher in Farbe versinken, im Spiegel ins Unendliche stürzen oder bieten ihm poetische Lichtspiele. Die Interaktion zwischen Werk und Betrachter gipfelt in Installationen, die letztlich nicht nur physikalische Wirkungen in Form von Nachbildern, Farbvibrationen oder dem Flimmern von Licht entfalten, sondern auf das gesamte Bewusstsein wirken.“
Noch bis einschließlich Sonntag ist die Schau mit den Werken, die zumeist aus den 1960er Jahren stammen, zu sehen.

Ausgezeichnet

Geschrieben von am 16. Mai 2007 11:38

Wirklich wunderschön anzuschauen ist der Katalog zur Biedermeier-Ausstellung „Die Erfindung der Einfachheit“, die ab dem 8. Juni im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen ist. Der Hauptgrund dafür sind die Fotografien, die die Objekte genial inszenieren und ungewöhnliche Detailblicke bieten, aber auch lange Fotostrecken. Lois Lammerhuber aus Wien hat die Fotografien gemacht; das einfallsreiche und ästhetisch-schlichte Layout stammt von Kathy Frederickson und Garett Niksch (Studio Blue) aus Chicago. Ob die Objekte in der Ausstellung auch so schön anzuschauen sind?
Wenn man den (gebundenen) Katalog zu Hause haben möchte, braucht man indessen viel Muskelkraft, denn er wiegt schätzungsweise 4 Kilo. Für 49,80 Euro ist der Band nicht gerade günstig, angesichts der vielen farbigen Abbildungen ist der Preis aber gerechtfertigt. Die broschierte Museumsausgabe ist wohl günstiger und auf alle Fälle leichter.
Gerade ist der Katalog mit dem weltweit höchstdotierten Preis (25.000 Euro) für Kunstbücher, dem viennaartbookaward, ausgezeichnet worden.

Katalog:
Biedermeier. Die Erfindung der Einfachheit. Hrsg. von Hans Ottomeyer, Klaus Albrecht Schröder, Laurie Winters, Ostfildern 2006.
440 Seiten, 415 farbige Abb., erschienen bei Hatje und Cantz, , 49,80 Euro (Leinen)
Ausstellung:
Milwaukee Art Museum 16.9.2006–1.1. 2007 · Albertina, Wien 2.2.–13.5.2007 · Deutsches Historisches Museum, Berlin 8.6.–2.9.2007 · Musée du Louvre, Paris 15.10.2007–15.1.2008

Häuserfriedhof

Geschrieben von am 15. Mai 2007 09:44



Da liegen sie und harren der Dinge und dem Laufe der Zeit. Auf einer Schafweide im Freilichtmuseum Hessenpark warten mehrere translozierte Gebäude auf den Aufbau. Den Schafen scheint es egal zu sein, mit wem sie sich die Weide teilen.

Das tägliche Brot im Museum

Geschrieben von am 14. Mai 2007 13:41

Sehr schönes Zitat gefunden in einem Interview mit Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden, im Lufthansa Magazin 4/07:
„Wie soll verantwortungsvolle Museumsarbeit funktionieren, wenn ich die Hälfte meiner Spezialisten entlassen soll? Wir dürfen Restauratoren – und Wissenschaftlerstellen nicht mehr besetzen! Gleichzeitig werden uns die Einkünfte, selbst die Drittmittel, abgezogen. Statt uns wirtschaftlich mit dem Geld arbeiten zu lassen, nimmt man es uns weg. Das ist, als ob Sie von einem Konditor eine perfekte Auslage im Schaufenster verlangen, gleichzeitig streichen Sie ihm in der Backstube das Mehl und die Rosinen, entlassen die Bäcker und lassen die Torten von Hilfskräften backen. Es geht nicht mehr um den Zuckerguss! Sondern um das tägliche Brot.“

Bei den ausgestopften Tieren zu Besuch

Geschrieben von am 11. Mai 2007 14:43

Der Grund, weshalb ich so gerne in naturwissenschaftliche Museen gehe, liegt ganz einfach daran, dass mein erster Museumsbesuch, an den mich erinnere, dem Naturkundemuseum im Schloss Rosenstein in Stuttgart galt.
Barcelonas Museo de ciències naturals zu besuchen, ist weniger Pflicht denn Kür, zudem es in einem Backstein-Palast untergebracht ist, der von der Weltausstellung 1888 stammt. Im großen Saal im ersten Stock bietet das Museum keine Überraschung: solide präsentiert sind die wirbellosen Tiere, ausgestopften Säugetiere und Präperate in mit Holz umfassten Glasvitrinen. Alles schon oft gesehen und deshalb auch sehr vertraut. Doch der Eindruck, dass hier die Zeit stehen geblieben sei, täuscht. Im Erdgeschoss präsentiert das Museum eine multimedial-inszenierte Ausstellung zum Ursprung der Welt, die von sehr aufregenden Tönen begleitet ist und mich in ihren Bann zieht. Leider war es zu dunkel, um hier zu fotografieren. Dieses Nebeneinander von alt und neu fand ich sehr interessant, insbesondere da das Skelett eines Bartwales wie ein doppeltes Relikt der vergangenen Zeit über der Ausstellung schwebte.

Kleine Welten im Visier

Geschrieben von am 9. Mai 2007 18:51

Der Fotograf Frank Kunert lichtet „Kleine Welten“ ab, die er zuvor selbst geschaffen hat. Die Fotografien spielen mit der Wahrnehmung: man glaubt das Dargestellte sofort zu erkennen, sieht doch alles recht harmlos aus. Erst auf den zweiten Blick merkt man, dass das Gehirn einem einen Streich gespielt hat und dass etwas nicht stimmen kann, wenn etwa eine typische Frankfurter Trinkhalle unter Wasser steht oder ein Sprungbrett statt aufs Wasser in Zuschauertribünen hineinragt. In den USA hat Frank Kunert für seine Arbeiten schon einige Preise eingeheimst. In gleich zwei Ausstellungen sind im Moment seine Fotografien zu sehen: In Dresden in einer Einzelausstellung der Galerie art+form (bis zum 7. Juni) und in Frankfurt am Main in der Ausstellung „FOTOGRAFIE – ansichtsache“ des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler Frankfurt e. V. (bis zum 14. Mai). Seine Postkarten sind in Frankfurter Läden öfters zu finden – so etwa im Shop des Labels Made in Happy Germany.

Lust auf Kunst

Geschrieben von am 8. Mai 2007 18:43

Hervorragende Ausstellungen, die Lust machen, sich mit zeitgenössischen Kunstformen auseinanderzusetzen, bietet das CaixaForum in Barcelona. In der Nähe des Weltausstellungsgeländes von 1929, der heutigen Messe, befindet sich das Forum in einem Fabrikbau aus der Jahrhundertwende. Man kann sich die ständige Sammlung ansehen (u.a. Joseph Beuys, Thomas Hirschhorn und Sophie Calle) oder sehr schöne Ausstellungen. Bis 14. Mai ist etwa noch die Ausstellung über die Modekünstlerin Agatha Ruiz de la Prada zu sehen (Fotos). Sehr schön gehängt ist die großartige Retrospektive des großen amerikanischen Fotografens Lee Friedländer. In jeder Ausstellung gibt es ein „Familienlabor“, in dem nicht nur die Kinder abgestellt, sondern sich alle mit dem Thema auf eine andere Art und Weise beschäftigen können. Gefallen haben mir hier auch die vielen Kindergruppen, die sich mit sichtbarer Begeisterung mit den Werken beschäftigten. Der Eintritt ist frei; das Forum ist eine Stiftung der großen katalanischen Sparkasse LaCaixa, die sich neben den Geldgeschäften sozial und kulturell engagiert. Anders als auf der Internetseite sind im Forum selbst alle Informationen auch auf Englisch vorhanden.

Geraubte Kunst

Geschrieben von am 30. April 2007 09:54

Gestern abend, leider sehr spät, kam ein großartiger Film auf arte: Sonderauftrag Führermuseum. Mit Dokumentaraufnahmen und nachgestellten Szenen wurde der organisierte Kunstraub der Nationalsozialisten nachvollzogen. Für das von Hitler geplante Führermuseum in Linz war der Dresdner Kunsthistoriker Hans Posse tätig. Der stand schon vor der Tür, noch bevor die Nazis das Land besetzten, wie im Fall des Genter Altars. Posse kam in Gent etwas zu spät an: die Belgier hatten kurz zuvor die Tafeln schon unter dramatischen Umständen abtransportiert. In Südfrankreich, am Rande der Pyrenäen, fanden die Schätze im Schloss von Pau Obdach. Als Nazi-Deutschland Frankreich besetzte, reiste Posse gleich nach Pau, damals unbesetzte Zone, und holte sich den Altar; die deutsche Regierung hatte die französische massiv unter Druck gesetzt. Die Genter-Altar-Bilder kamen in das Salzbergwerk von Altaussee, wo schon eine Mannschaft mehrere Tausend Werke verwaltete. Denn die Bilder wurden nicht einfach abgestellt, sondern fotografiert, inventarisiert, aufgelistet. Dafür sind wir Deutsche ja Spezialisten. In Paris, wo die Nazis hauptsächlich jüdische Sammlungen plünderten, wurden die Bilder im Jeu de Paume gelagert, wo die französische Mitarbeiterin Rose Valland heimlich Listen anfertigte, die sie der Résistance gab und die später der amerikanischen Schutzkommission half, die Bilder wieder zu finden. Mit der Invasion der Alliierten in der Normandie kamen nämlich auch Kunstdetektive im Dienste der amerikanischen Armee an Land, die gezielt Kunstwerke suchten, um sie vor der Zerstörung zu retten und um sie wieder zu restituieren. Sie fanden auch die Spur der Genter Altarbilder im Bergwerk, wo sie fast vollständig geborgen werden konnten. Auf sowjetischer Seite war übrigens die Trophäenkommission unterwegs, die als Rache für die deutschen Zerstörungen in der Sowjetunion gezielt nach wertvollen Werken suchte, um sie mitzunehmen… – es gäbe noch viel Spannendes zu erzählen. Leider ist für diesen Film keine Wiederholung angekündigt – aber vielleicht können das ja viele Emails an arte ändern. Es lohnt sich, nicht zuletzt weil Beutekunst das Thema unserer Zeit ist.
Die Wiener Kunsthistorikerin Birgit Schwarz hat die Fotoalben, die Posse regelmäßig Hitler vorlegte, in Berlin gefunden und publiziert: „Hitlers Museum. Die Fotoalben: Gemäldegalerie Linz“. Wien, Köln, und Weimar 2004. Mehr über das Buch in Faz.Net und in der Welt-Online.
Die Fotoalben sind heute im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

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