Geschrieben von Eva C.-K am 14. April 2008 15:37

Die Bibliothèque historique de la ville de Paris widmet eine Ausstellung dem Fotografen André Zucca (1897-1973). Bis zum 1. Juli kann man in der rue Mahler 200 Bilder sehen, die Zucca während der Bessatzungszeit in Paris aufgenommen hat: im Luxembourg Park spielende Kinder, Musiker der Wehrmacht bei einem open-air Konzert, elegante Radfahrerinnen etc. Die Kritik richtet sich nicht gegen das Interesse dieser umfangreichen Fotoausstellung sondern gegen das Fehlen jeglichen Hinweises auf den Kontext: André Zucca arbeitete ausschliesslich für die Zeitschrift „Signal“, Publikation im Dienste der deutschen Wehrmacht, veröffentlicht in 20 Sprachen und mit einer Auflage von 2,5 Millionen, davon 800.000 in Frankreich. Zucca produzierte für „Signal“ Dutzende von Reportagen über die Verheerungen der alliierten Bombenangriffe in Frankreich, und auch die hier gezeigten idyllischen Bilder des „Alltagslebens“ im Paris der 40er Jahre. Einer der Vorwürfe ist, dass nur Datum und Ort der Bilder angegeben sind, kein weiterer Hinweis aber auf ihren spezifischen Kontext. Erst Proteste der Besucher haben dazu geführt, dass ein Blatt bei der Kasse aufliegt in dem man nachlesen kann, dass Zucca im Auftrag der Nazizeitschrift gearbeitet und die „Realität der Okkupation in ihren dramatischen Aspekten“ ausgeklammert hat. Jean Derens, Direktor der Bibliothek, hält dies für ausreichend. Wenn ein Besucher nicht wisse was die Okkupation bedeutet hat, sei dies bedauerlich, aber man könne nicht jedesmal alles wieder erklären….
Kulturelle Welten schreibt hier darüber.
Geschrieben von Nina Gorgus am 10. April 2008 17:06
„Newseum“ nennt sich ein neues Museum das am 11. April in Washington eröffnet wird. 450 Millionen hat das Projekt gekostet, ein Grossteil davon von den Medien selbst finanziert.
Hinter der Fassade, die an einen gigantischen Bildschirm erinnert, sollen in 14 thematischen Ausstellungsräumen dem Publikum die Geschichte der Presse, Photojournalismus, Weltnachrichten, elektronische Medien etc. oder auch die Pressearbeit anlässlich spezieller Ereignisse (11. September, Fall der Berliner Mauer) nähergebracht werden. In ihrem „Lettre d’Amérique“ bezeichnet Corine Lesnes das neue Museum als ein „Disneyland der Info“, zwischen Glorifizierung der Presse und Unterhaltungspark für Kinder… Unter den 6.214 Objekten findet man das vom Time Magazine in Bosnien verwendete gepanzerte Fuhrwerk, den Computer Daniel Pearls (in Pakistan ermordeter Journalist des Wall Street Journals), ein Stück der Antenne die sich auf einem der Türme des World Trade Centers befunden hat oder die türkisfarbenen Pantoffeln eines der ersten „Stars“ der Blogger Szene. Die dümmsten Headlines sind auf den Kacheln der Toiletten zu lesen, eine 27m lange Wand bietet Videoprojektionen und ein Mahnmal erinnert an die 1.800 seit 1837 im Einsatz getöteten Journalisten. Studios in denen der Besucher Nachrichtensprecher oder Reporter spielen kann, Theatersäle, ein interaktives Ethikzenter, Shops und natürlich ein Feinschmeckerlokal sollen Touristen aus dem In- und Ausland in dieses neue Museum locken.
Geschrieben von Nina Gorgus am 3. April 2008 18:05



Unter diesem Titel zeigt das Jüdische Museum Wien bis zum 22. Juni mehr als 3.500 Fotos. Sie zeugen vom unerwartet schnellen Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde Wiens nach 1945. Die 1956 aus Ungarn geflüchtete Fotografin Margit Dobronyi, hielt mit ihrer Kamera Hochzeiten, Bar Mizvahs, Sommerfrische, Geburtstagsfeste und andere Szenen aus dem Alltagsleben fest. 150.000 Negative umfasst ihr Archiv das 2004 vom jüdischen Museum angekauft wurde und aus dem die Kuratorin Ruth Beckermann ihre Auswahl getroffen hat. Die Fotos spiegeln Lebensfreude wider, eine Lebensfreude wie sie in Ausstellungen über die jüdischen Gemeinden im 20. Jahrhundert selten ist. Die Zeit nach der Schoah darzustellen, sei „Neuland“ sagte Karl Albrecht-Weinberger, Direktor des Museums.
Geschrieben von Eva C.-K am 28. März 2008 17:47
So titelt Matthias Beitl, stellvertretender Direktor des Österreichischen Museums für Volkskunde einen Bericht über die Schliessung des Ethnografischen Museums Schloss Kittsee, nachdem jahrelange Bemühungen um eine ausreichende Finanzierung keinen Erfolg gezeigt hatten. Mit Bitterkeit kommt er auf die visionäre Rolle dieses Hauses zurück: „Es (das Museum) sah sich immer als ‚Fenster in den Osten‘ und hat diese Idee auch Jahr für Jahr über den Eisernen Vorhang hinweg umgesetzt“. Vor wie nach der Wende war das EMK Ort für zahlreiche Ausstellungen, Tagungen und Initiator von EU-Projekten. Reinhard Johler (Tübingen) nennt das Museum eine „‚contact zone‘ wie sie quer durch Europa geschaffen und nicht geschlossen werden sollte“.
Weder die österreichische Bundesregierung, noch das Land Burgenland oder die Stadtgemeinde Kittsee haben sich diesem Anspruch gewachsen gezeigt. Und so wurde eine weitere wichtige und aktive Kulturinstitution bedenkenlos finanziell ausgehungert!
Der Bericht von Matthias Beitl erscheint im Magazin des Institutes für den Donauraum und Mitteleuropa.
Geschrieben von Eva C.-K am 27. März 2008 16:27
Tippt man „www.ethnolgie.culture.fr“ ein, so kommt man – überraschenderweise – auf eine website des Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée. Die Absicht ist gut: wenigstens virtuell will dieses Museum seine Kollektionen und Forschungsvorhaben vorstellen. Wie gesagt, die Absicht ist gut, die Ausführung ist es jedoch weit weniger. Erster Kritikpunkt: das MuCEM will ein internationales Museum sein, sämtliche Texte der website sind jedoch nur auf Französisch…
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Geschrieben von Eva C.-K am 21. März 2008 16:02
Das Wiener Naturhistorische Museum bietet seinen Besuchern jeden Mittwoch ein exlusives Muschel-Dinner kombiniert mit einer Abendführung durch seine Sammlungen. Dieses Angebot wird nun jeden 2. Sonntag im Monat um ein „Kulturfrühstück“ erweitert. Nach einer kurzweiligen Themen-Führung kann man es sich bei einem Lachsfrühstück mit Sekt (Lachs, Bagel, Sekt, Kaffee oder Tee) genüsslich gut gehen lassen. Morgenmuffel haben keine Ausrede mehr, einen Museumsbesuch auszuschlagen!
Preis des Frühstücks inclusive Eintritt und Führung: 29 €. Treffpunkt 9.oo in der Eingangshalle des Museums.
Voranmeldung per e-mail (waswannwo@nhm-wien.ac.at) oder Telefon (521 77 / 276) erbeten.
Geschrieben von Eva C.-K am 18. März 2008 11:26
Die Ecole du Louvre organisiert vom 1. bis 12. September 2008 ihr 4. Fortbildungsseminar zum Thema „Das Museum zwischen Kontemplation und Bildung“ („Au musée, entre contemplation et éducation“). Jedes Museum, sei es ein Kunst- oder ein Wissenschaftsmuseum, ein historisches oder ein Gesellschaftsmuseum entwickelt spezifische Vermittlungstechniken und Zugangsweisen angesichts dieser zwei Schlüsselbegriffe jeder Museumsarbeit. Aufsehenerregende Inszenierungen oder diskrete Schausammlungen, Meisterwerke oder Alltagsobjekte, detaillierte oder spärliche Texte, Interaktivität und Multimedia, Performance oder gelehrte Vortragsreihen, jedes Museum muss ständig neue Konzepte und Mittel „erfinden“ um sein Publikum anzusprechen und neue Besucherkreise zu gewinnen.
Vorträge, Round-table Gespräche, Begegnungen mit Fachleuten und Museumsbesuche sollen es den Teilnehmern ermöglichen, verschiedene Strategien neuer oder kürzlichst renovierter Museen kennenzulernen. Der Kursus richtet sich an fortgeschrittene Stundenten oder junge Museumsmitarbeiter aus ganz Europa. 20 Plätze stehen zur Verfügung, französische Sprachkenntnisse sind eine Voraussetzung, gute Englischkenntnisse sind erwünscht (die Vorträge etc. sind auf Französisch, die Teilnehmer können sich auf Englisch ausdrücken).
Die Kandidaturen müssen bis zum 1. Juni 2008 bei der Ecole du Louvre eingelangt sein.
Programm und Organisation: Claire Merleau-Ponty (c.merleau-ponty@ecoledulouvre.fr) und Solange de Barbeyrac (s.debarbeyrac@ecoledulouvre.fr)
Ecole du Louvre, Palais du Louvre, Porte Jaujard
Place du Carroussel
75038 Paris cedex 01
Telefon: +33-1-55.35.19.12
Geschrieben von Nina Gorgus am 17. März 2008 19:11



Und wenn man schon einmal in Berlin-Dahlem ist, dann sollte man auch die Ausstellung KinderMobil – Kleine Helfer für kleine Helden im Museum Europäischer Kulturen anschauen. Wie kamen Mütter und Väter mit ihren Kindern zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten vorwärts? Hier sieht man auf zeitgenössischen Fotos, dass in den 1950er Jahren schon Frauen in Thüringen mit Tragetücher spazierengingen, man kann eine Kinderwagenparade bewundern oder endlich einmal erfahren, was es mit dem Gängelband auf sich hat. „Tragen, schieben, wuchten“ so fasste der Tagespiegel die leichte und beschwingte Ausstellung zusammen. Interessant ist die Ausstellung auch, weil sie so ganz nebenbei vorführt, wie man mit guten Ideen vorhandene Ausstellungsarchitekturen wiederverwertet.
Noch bis zum 31.8.2008 ist Zeit, sich die Ausstellung anzusehen.
Geschrieben von Nina Gorgus am 14. März 2008 15:07


In Paris im Musée du quai Branly, bin ich etwas achtlos an der Ausstellung vorbei gegangen, so langweilig fand ich sie inszeniert. Die vom Wiener Museum für Völkerkunde kuratierte Schau Benin – 600 Jahre höfische Kunst aus Nigeria macht nun in Berlin-Dahlem im Ethnologischen Museum Station. In Berlin hatte ich nun auch leider keine Zeit, was schade war, machte die Inszenierung doch einen frischen und spannenden Eindruck auf mich.
Aber nicht nur wegen der Verpackung sollte man solchen Ausstellungen doch mehr Zeit widmen, geht es hier doch um ganz wichtige Fragen – nämlich die, wem die Stücke eigentlich gehören und ob man nicht eher eine Ausstellung über Kunstraub anschaut – so lautete der Vorwurf bei der Eröffnung letztes Jahr in Wien. Also: nicht immer nur ins Pergamonmuseum gehen (das meistbesuchteste Museum in Berlin), auch wenn es genauer betrachtet hier um ähnliche Gemengelagen geht, sondern auch einmal den Weg nach Dahlem auf sich nehmen; die Sache ist es wert.
Eine gute Ausstellungsrezension hier im Tagesspiegel, und hier noch mehr Infos zu Rückgabeforderungen auf dem vorzüglichen anthropologi.blog.
Geschrieben von Nina Gorgus am 12. März 2008 12:52
Was sehen wir eigentlich in Museen und Ausstellungen? Wie werden bestimmte Themen repräsentiert? Wie ist es um die Kategorien Mann-Frau, das Eigene – der Andere bestellt?
Solchen und anderen Fragen gehen Roswitha Muttenthaler und Regina Wonisch anhand der Dauerausstellungen dreier Wiener Museen nach. Es ist höchst interessant, nach der Lektüre dieses Buches selbst wieder in Ausstellungen zu gehen und plötzlich anders zu sehen. Sehr anregend und überzeugend!
Roswitha Muttenthaler/Regina Wonisch: Gesten des Zeigens. Zur Repräsentation von Gender und Race in Ausstellungen, Bielefeld: transcript, 2007. Kart.,268 S., zahlr. Abb., ISBN: 978-3-89942-580-2, EUR 26,80.
Jennifer John hat hier das Buch der beiden Wiener Museologinnen rezensiert.