Wenn Kunst sprachlos macht

Geschrieben von am 22. Mai 2008 09:30

Die Frankfurter Kunstszene boomt, auch jenseits von den gut ausgestatteten Häsuern am Museumsufer. Das erste Mal zeigten die beiden Kuratorinnen von COMA in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Möbelhauses zeitgenössisches künstlerisches Schaffen (hier im Museumsblog). Dann diente ein leeres Lagerhaus, genannt Balken, als Ausstellungsort. Nun laden uns Mia Beck und Coco Hauschel in ein typisches Frankfurter Bürohaus ein. In einer etwas seelenlos wirkenden Etage, in der sonst vielleicht Architekten oder Graphiker sitzen, hat nun die Ausstellung „Sprachlos“ Unterschlupf gefunden. Neun KünstlerInnen nicht nur aus dem Rhein-Main-Gebiet stellen ihre (Sprach-)Kunst vor. Die Zusammenstellung ist wirklich gelungen, sie ist vielseitig und abwechslungsreich. Sehr witzig und tiefgründig sind etwa die Zeichnungen von Markus Vater, der so manchen Gedanken auf perfide Weise illustriert. Ina Kurz, die Macherin von Maegde und Knechte, ist mit T-Shirts vertreten, auf denen je eine Seite ihres Romans abgedruckt ist. Eva Köstner begeistert mit einer Wort-Videoinstallation – um nur einige Werke zu nennen. Und was hier wie Werbung klingt, soll auch Werbung sein: denn in der Ausstellung stecken wenig (Sponsoren-)Gelder, aber viel Herzblut und Leidenschaft der Veranstalterinnen. Ich bin gespannt, wohin wir das nächste Mal mitgenommen werden!

Die Ausstellung ist bis zum 7. Juni Mittwoch abend und Sonntag nachmittag und nach Vereinbarung geöffnet, am besten hier auf der Seite von COMA nachschauen, Hanauer Landstr. 187-189.
Zur Ausstellung ist ein kleiner, feiner Katalog erschienen.

Besucht die Ausstellung!

Geschrieben von am 13. Mai 2008 11:37

„Ne visitez pas l’Exposition Coloniale!“ so hieß es in einer Veröffentlichung der Surrealisten gegen die große Kolonialausstellung in Paris 1931. Nicht nur sie, sondern eine Vielzahl von Franzosen und Immigranten protestierten gegen die Ausstellung, die die Kolonien Frankreichs sowie das Mutterland als ein großes Ganzes feiern sollte – was es natürlich nie war. Über 75 Jahre später sollte man sich schon diese Ausstellung anschauen, die nun in der Cité nationale de l’histoire de l’immigration stattfindet: 1931. Les étrangers au temps de l’exposition coloniale ist eine Hommage an die damals über drei Millionen lebenden Fremden in Frankreich und der Versuch, die andere, die soziale Realität zur Zeit der Ausstellung darzustellen.
Ein Ausstellungsstück ist der Palais de la Porte dorée selbst, war er doch damals schon Teil der Kolonialschau. Die Ausstellung verspricht interessant zu werden, gehört doch der Schweizer Jacques Hainard zu den Kuratoren.

Hier findet sich ein ausführlicher, bebilderter Text von Brigitta Kuster über die Ausstellung von 1931.

In anatomischen Sammlungen unterwegs

Geschrieben von am 9. Mai 2008 14:00

Eindrucksvoll sind die Fotos, die die New Yorker Fotografin Joanna Ebenstein in medizinischen und anatomischen Sammlungen in Europa und in den USA gemacht hat: etwa Modelle aus Wachs aus La Specola in Florenz oder Moulagen aus dem Wiener Narrenturm. Daraus entstanden ist die Wanderausstellung Anatomical Theatre. Letztes Jahr war die Ausstellung in Alabama, USA zu sehen. Hier sind Fotos davon.
Wer weiß, vielleicht wird die Ausstellung ja auch mal bei uns gezeigt? Anatomische Sammlungen gibt es hier ja genug!

Verschmitzte Vielfalt

Geschrieben von am 29. April 2008 11:20

Für das Museum für Naturkunde in Berlin sollte man etwas Zeit mitbringen, gibt es doch viel zu entdecken. Teile der Dauerausstellung wurden im letzten Sommer umgestaltet, so auch der Saal mit den Dinosauriern. Hier kann man etwa durch das Fernglas die großen Saurier durch den Wald laufen sehen – und der virtuelle Saurier zwinkert einem dann auch noch verschmitzt zu. Das Augenzwinkern ist so etwas wie das Leitmotiv des Museums: Evolution und Biodiversität des Lebens sollen unterhaltsam und ansprechend vermittelt werden.
In der Abteilung „Evolution in Aktion“ empfängt die Besucherin eine Art Riesen-Setzkasten, bestückt mit vielen wundersam wirkenden Exponaten, dessen Vielfalt sich erst nach längerem Betrachten vermittelt. Und warum hat mir niemand im Biologie-Unterricht diesen hübschen Spruch beigebracht: „Alles was sich schart und paart, gehört zu einer Art“. Also: Hingehen und sich viel Zeit dafür nehmen.

Das Pressecho auf die Wiedereröffnung des Museums im Sommer 2007 findet sich hier.

Komm ins Land wo die Zitronen blühen

Geschrieben von am 28. April 2008 18:17

Kleiner Tip für die nächste Korsika Reise. Im malerischen Ort Nonza an der Westküste des Cap Corse und ca. 20 km von Saint Florent entfernt, lädt ein hübsch gemachtes kleines „Ecomuseum“ zu einer Entdeckung der Zitrusfrucht Cédrat ein. Diese Frucht von der man hauptsächlich die Schale zur Herstellung von Zitronat, Likören und als ätherisches Öl in der Parfumerie verwendet, wird in terrassenartig angelegten Gärten kultiviert und trug früher zum Wohlstand der Region bei. Das überschaubare Museum ist in frischen „Zitrusfarben“ gehalten, Videos, Fotos, alte Reklameschilder, Bordtagebücher die den Handel belegen und ein „Geruchs-Quiz“ machen den Besuch vergnüglich. Schade dass alle Texte nur auf Französisch sind und nicht einmal ein Blatt mit englischen Übersetzungen aufliegt. Aber das kann ja noch werden…

Gedruckte Exponate

Geschrieben von am 25. April 2008 10:04

Eine Möglichkeit, im Museum ohne Vitrinen auszukommen?

„Die Exponate im renovierten Museum präsentieren sich nun moderner. Die Quantität der Texte ist geschrumpft, dafür sind nun mehr Illustrationen zu sehen. Die Ausstellungsstücke – insgesamt sind es ungefähr 380 Quadratmeter, wurde direkt auf die rötliche Vliestapete gedruckt, die die Turmwände ziert. Einige von ihnen sind zur besonderen Hervorhebung auf gewölbten Alubildhaltern angebracht.“

Gelesen in der Frankfurter Rundschau, Alles Töngesgasse.
Die Rede ist vom Stoltze-Museum der Frankfurter Sparkasse in Frankfurt am Main, das am Samstag zur Nacht der Museen sich nach der Renovierung neu präsentiert.

Gratwanderung

Geschrieben von am 24. April 2008 10:08

Der Louvre steht mal wieder in der Kritik. Dieses Mal geht es um 130 Leihgaben für eine Ausstellung in Verona. Dazu der Kunsthistoriker Didier Rykner in seinem Blog la tribune de l’art:

„The Louvre is still offering great deals. If you are a millionaire and would like to organize an exhibition, this is definitely the place to come: ask for a couple of masterpieces and it will see you get them on condition you pay the right price. It seems that only the Mona Lisa is not for rent. At least officially. But you can have any other Leonardo you want.“

Der Hintergrund: die Leihgaben gehen nicht an ein Museum, sondern werden für vier Millionen Euro einer privaten Gesellschaft überlassen, die die Ausstellung mit Bildern von Goya, Botticelli, Véronèse, Rembrandt, Rubens, Van Dyck, Vélasquez, Greco, Raphaël… ausrichtet. Wohlgemerkt handelt es sich dabei um Bilder, die in den Ausstellungssälen hängen und die das Museum so gut wie nie verlassen haben, darunter auch das „Porträt einer jungen Dame“ (La belle Ferronière) von Leonardo da Vinci. Auf die Frage, warum nun plötzlich Werke ausgeliehen werden, die sonst nie das Gebäude verlassen, sagte ein Sprecher des Louvre der Zeitung Le Monde: „Niemand hatte sie bisher angefragt“, und verweist auf den wissenschaftlichen Charakter der Ausstellung. Andere halten diese Zusammenstellung für einen Vorwand. Mit dem Geld möchte der Louvre Werke restaurieren und weitere Kataloge editieren. Ein Teil des Geldes soll für Abu Dhabi auch schon eingegangen sein. Gleich mal nachschauen, ob die Eintrittspreise im Louvre niedriger geworden sind!

Mit Paul im Museum

Geschrieben von am 22. April 2008 15:16

Warum sollte man mit Paul ins Museum gehen? Abgesehen davon, dass Paul ein äußerst beliebter Name für den deutschen Nachwuchs ist, ist Paul eine Figur, die die Staatlichen Museen zu Berlin erfunden haben, um Kinder ins Museum zu locken. Da heißt es:
„Mit Paul Kunst begreifen, Kulturen entdecken und die Welt verstehen lernen. „
Paul ist nichtsweniger als ein Kulturbotschafter, wie es heißt, und er soll nun vor allem über die Weltreligionen Auskunft geben. Islam ist das erste Thema, und wenn man sich bis auf zu Die fünf Säulen des Islam durchgeklickt hat, wird es etwas bunter, aber auch sehr textlastig. Auf mich wirkt die Seite sehr an ein Buch orientiert – aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe. Ich hätte es gerne etwas bewegter, mit Ton, Filmen, Fotos, Animationen, Spielen….

Auf Pfählen wandeln

Geschrieben von am 18. April 2008 10:35

Im Reiseführer kam das Pfahlbautenmuseum in Unteruhldingen am Bodensee nicht gut weg, und ein Besuch wurde nicht unbedingt empfohlen. Wir gingen jedoch hin, erhofften wir uns doch etwas Aufklärung. Man hat leider als erstes den Eindruck, in einer Art Touristenschleuse gelandet zu sein – ein Besuch des Museums ist fester Bestandteil des Bodensee-Programms. Der Eintritt von sieben Euro ist sehr hoch im Vergleich zu den anderen Museen am See, auch bekommt man nicht einmal einen Plan mit Vorabinformationen. Ein französisches Paar lässt sich empört das Eintrittsgeld zurückzahlen, als es erfährt, dass es nochmals 4 Euro extra für einen Heftchen mit Erklärungen auf Französisch zahlen soll. Denn die Pfahlbauten können nur mit einer Führung besichtigt werden. Bis zur Führung ist noch Zeit, und so können wir die zwei Ausstellungen – einmal eine Einführung zum Leben in den Pfahlbauten und einmal zum Steinzeit-Experiment anschauen. Beide Ausstellungen sind sehr pädagogisch aufgezogen; meine Begleitung (nichts mit Museum am Hut) mokiert sich über die Texte, die sie unterfordert. In der Einführung wundere ich mich etwas über den sehr kurzen Abriss über die Geschichte des Museums, als über den langjährigen Leiter Hans Reinerth zu erfahren ist, dass er während des Nationalsozialismus sich stark in verschiedenen Verbänden engagiert hatte. Im nächsten Satz steht, dass er das Museum zwischen 1954 und 1986 das Museum leitete. Da bleiben doch einige Fragen offen!
Als die Führung beginnt, finden sich etwa 30 Personen ein. Gemeinsam gehen wir in die Anlage; bei den Erklärungen der Führerin hat man das Gefühl, einer Prüfung beizuwohnen. Wir gehen in einige Häuser hinein, aber da die Gruppe sehr groß ist, können die weiter hinten Stehenden nicht richtig sehen und hören. Es ist schon interessant, wie die Menschen in der Bronzezeit Löcher in Steine bohrten oder – theoretisch – Feuer machten. Und gut ist auch die Fokuisierung auf den Alltag. Aber das Ganze hat etwas Verklärendes, wie es meiner Ansicht nach in Besuchen von Freilichtmuseen öfters der Fall ist, da Zeit und Raum irgendwie verschwimmen. Wenig erfährt man über die Geschichte des Museums, und wenn, dann sind es nur Hinweise wie hier stand der erste Museumsbau. Mehr über die Geschichte des Museums selbst zu erfahren, wäre aber schon sinnvoll gewesen – etwa über den „Pfahlbaustreit“ oder die manipulative Ausrichtung in der Zeit der Nationalsozialismus. Hierzu hat das Museum selbst, wie man dann auf der Internetseite erfährt, beachtliche Forschungen geleistet.
Aber der „Normalbesucher“ interessiert sich wohl für anderen Dinge: eigenständig kann man die neueren Inszenierungen des steinzeitlichen Alltags, nachgestellt mit Puppen (!) und ausgestopften Tieren anschauen. Interessant finde ich, ist, dass man zuweilen auch zwei Inszenierungs-Vorschläge sehen kann, die deutlich machen sollen, dass es aufgrund der aufgefundenen Gegenstände mehrere Möglichkeiten der Rekonstruktion gibt. Im Haus der Fragen erhält man auf riesigen Tafeln Antworten zum Alltagsleben; das Projekt ist Teil des EU-Projektes Orakel von Delphi. Alles in allem war es ein Museumsbesuch, der mehr Fragen aufwarf, als Antworten gab, was ja an für sich nicht schlecht ist, aber einen irgendwie unzufrieden entlässt.
Es bleibt ein romantischer Blick auf den See.

Wo Museum drauf steht, ist auch Museum drin

Geschrieben von am 15. April 2008 13:48

gesehen auf der Insel Reichenau am Bodensee

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