Rasen und Bäume für ein attraktiveres Museum

Geschrieben von am 30. März 2009 10:09

17 Millionen Euro wird man sich in Paris die Sanierung der Cité des sciences et de l’industrie in Paris kosten lassen – kosten lassen müssen, denn nach 23 Jahren bröckelt schon etwas Farbe ab. Auch vor der Institution wird kräftig erneuert: der große, leere, gepflasterte Platz vor der Cité der besonders bei schlechtem Wetter immer so abweisend wirkte, wird mit Rasen und Bäumen bepflanzt – auf dieser Weise steht die Cité komplett im Park. Bis 2012 sollen die Sanierungsarbeiten fertiggestellt sein; werden peu à peu vollzogen. Das stand hier in Le Monde.
Und noch ein Nachtrag zu den Besucherzahlen: die Cité ist in den Top five der meist besichtigten Museen in Frankreich. Aus der von mir im Museumsblog genannten Statistik fiel sie heraus bzw. wurde extra aufgeführt (aus Gründen, die ich nicht kenne): 2007 hatte die Cité über 3 Millionen BesucherInnen. Seit der Eröffnung 1986 sind das insgesamt über 67 Millionen Menschen, die sich die Ausstellungen und/oder Dauerausstellung anschauten.

Hängende Soßentropfen und Wurstsofas

Geschrieben von am 25. März 2009 10:21

Ein Artikel auf Spiegel online, vor Tagen überflogen, geht nicht mehr aus dem Kopf und deswegen landet der Inhalt jetzt hier: es geht um die Wurst bzw. um die Currywurst. In Berlin soll im August ein solches Museum geöffnet werden. Die Gründung geht natürlich darauf zurück, dass in Deutschland so viele Currywürste gegessen werden und Berlin als Erfinder der Wurst gilt (was Hamburg aber nicht so sieht). Warum man deshalb gleich ein Museum bauen muss bzw. eine übergroße Imbissbude mit historischen Ecken Museum nennen muss, leuchtet nicht wirklich ein.
Das sogenannte Museum soll beim Checkpoint Charlie stehen und auf über 1000 qm eine Art „begehbare Imbussbude“ darstellen: „An Stehtischen sind Hörstationen in Form von Ketchup-Flaschen aufgebaut, an denen Prominente ihre Liebe zur Currywurst erklären“. Natürlich soll die Geschichte der Erfindung gezeigt werden, es werden Wurstsofas rumstehen und Soßentropfen hängen von der Decke. „Das Geheimnis der Currywurst liegt in der Soße, das haben wir als Leitmotiv genommen“, erklärte einer der Macher. Bei so viel Einfallreichstum wundert es nicht, dass man hier auch Currywürste aller Art – von Sterneköchen gemacht – probieren kann.
Was die Besucherzahlen anbelangt, geben sich die Macher bescheiden: 350.000 BesucherInnen im Jahr sind anvisiert. „Wir nehmen das eher sportlich“, sagt der Kurator Martin Löwer. „Es ist ein witziges Thema und ein interessantes.“ So steht es im Spiegel. Was der Spass kostet, auch. Ein paar Freunde haben zusammengelegt und mal eben so 50 Millionen Euro locker gemacht. Bei so einer Summe muss man wohl wirklich nicht so genau hinschauen.
50 Millionen – was man damit alles machen könnte, und das im notorisch armen Berlin, in dem es wirklich genug kulturelle Projekte und Museen gäbe, die förderungswürdig sind – die sich aber als Museum nicht so gut vermarkten lassen, weil unter Umständen Objekte in Vitrinen liegen oder Bilder an der Wand hängen, also keine Soßentropfen von der Decke hängen.
Also ich gehe in Berlin lieber zu meinem bevorzugten Currywurst-Stand und lese das Buch von Uwe Timm. Diejenigen, die nachlesen möchten, was Museum ist bzw. sein kann, verweise ich wieder einmal auf das spannende Glossar von Gottfried Fliedl.

Lieblingsbilder gesucht

Geschrieben von am 24. März 2009 11:04

Peter Bürger von der NZZ geht in Braunschweig ins Museum und ist begeistert: im Herzog Anton Ulrich-Museum können die BesucherInnen mit entscheiden, was künftig in den renovierten Sälen zu sehen sein wird. Für die Ausstellung wachgeküsst hat man das Depot gesichtet und die „Glanzstücke“ herausgeholt: 100 Gemälde, die in der engeren Wahl für die neue Präsentation nach der Renovierung stehen. Die BesucherInnen können aus dieser Auswahl ihr Lieblingsbild wählen. Die Auswahl wird später berücksichtigt, so heisst es auf der Ausstellungsseite.

Herr Bürger ist nicht nur von den Werken begeistert, die er in Braunschweig entdeckt und nicht erwartet hätte – wie etwa ein Familienbild von Rembrandt oder niederländische Landschaftsmalerei vom Feinsten. Bürger lobt auch die Aufforderung der beiden Kuratorinnen, sich die Bilder richtig anzusehen, um überhaupt ein Lieblingsbild wählen zu können. Als Sehhilfe gibt es ein kleines Heft mit Kommentaren, das durch die Ausstellung begleitet. Für Bürger ist die Ausstellung „eine Verführung zum Sehenlernen und zur Ausbildung eigener Vorlieben“, die er sehr angenehm und lehrreich findet im Vergleich zur sonstigen Kunst-Event-Kultur, bei der das Schlange-Stehen vor dem Museum die Hauptsache bildet und nicht so sehr die Ausstellung selbst.
Bis zum 26.4. kann in Braunschweig noch gewählt werden.

Wo MuseumsbesucherInnen so hingehen

Geschrieben von am 18. März 2009 11:41

Die neuen Zahlen sind da: Wie in jedem Jahr, gibt das Kulturministerium in Frankreich wieder Auskunft über das kulturelle Leben in Frankreich – in Form von Statistiken. Nun kann man sich die komplette Broschüre von 2009 herunterladen; die Zahlen gelten für 2007.

Was hier natürlich interessiert, sind die Besucherzahlen in den Museen, die hier angegeben werden für die Musées de France (d.h. Museen, die ein gewisses wissenschaftliches Niveau erfüllen). Knapp 1200 Museen wurden berücksichtigt; sie hatte etwas über 51 Millionen BesucherInnen im Jahr 2007 – knapp eine Million mehr als 2006.
Die Hitliste hat sich, wen wundert’s, im Vergleich zu den Jahren davor nicht geändert; alle Museen befinden sich in Paris bzw. im Großraum Paris. An der Spitze steht weiterhin der Louvre mit über 8,2 Millionen Besuchern, gefolgt von Versailles (über 5,3 Millionen), Musée d’Orsay (über 3,1 Millionen) und das Musée d’art moderne im Centre Pompidou (über 2,5 Mill.). Auf Platz 5 steht das Musée du quai Branly mit über 1,4 Mill., gefolgt vom Musée de l’armée (über 1,1 Mill.) – woher auch das Bild stammt: auch weite Wege zu den Kassen schreckt die BesucherInnen nicht ab, gilt es hier doch vor allem, das Grab von Napoleon I. zu besichtigen.

Hinter den Kulissen

Geschrieben von am 17. März 2009 12:22

Das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel ist fertig, war Anfang März ein Wochenende für die Öffentlichkeit zugänglich und wird nun bis Oktober 2009 eingerichtet. Natürlich waren alle Augen dabei auf den Architekten David Chipperfield gerichtet, der den Wiederaufbau bzw. den Umbau des Neuen Museums entworfen hat.
Nun kann man auch hinter die Kulissen blicken bzw. hören: Die Leiterin der Bauabteilung bei den Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz in Berlin, Gisela Holan, erzählt auf Hr2, wie die Arbeiten im Hintergrund abgelaufen sind. Sie erzählt aber nicht nur über ihre Tätigkeiten bei den Staatlichen Museen, sondern auch darüber, wie sie dazu gekommen ist – eine spannende Ost-West-Karriere.

Hier kann man sich die Sendung der Reihe Doppelkopf als Podcast herunterladen.
Die Bilder wurden letztes Jahr auf der Museumsinsel aufgenommen.

Alles über das Witzerland

Geschrieben von am 13. März 2009 15:19

Eher selten gelten Schweizerinnen und Schweizer als besonders schlagfertig oder sogar witzig.

Dieser Satz ist nicht ausgedacht, sondern steht so auf der Internetseite des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich. Hier wird die Ausstellung Witzerland geplant:
Humor, Witz und Satire sind das Thema der Schau: eine multimediale Zusammenstellung humoristischer Blicke auf die Schweiz.

Für alle, die bei Schweizer Humor immer noch oder nur an Emil denken, könnte diese Ausstellung interessant werden.

Ab dem 2. April ist die Ausstellung in Zürich zu sehen – und man kann selbst noch dazu beitragen. Witze, Zeichnungen oder Videos sind dem Museum willkommen, alles weitere dazu findet sich bei Witzerland.

Nach London der Museen wegen…

Geschrieben von am 12. März 2009 17:46


36 Stunden in London und 9 Ausstellungen besucht – wenn das keine Leistung ist!

Ein kurzer Überblick über das Gesehene sei hier gegeben:
Erste Station, das Victoria & Albert Museum das zwei Ausstellungen zu bieten hat. „Hats. An Anthology by Stephen Jones“ klang vielversprechend. Der Modist Stephen Jones dessen extravagante Kopfbedeckungen die Kreationen von Vivienne Westwood, John Galliano oder Jean-Paul Gaultier ergänzen kuratiert hier eine kleine, amüsante Ausstellung. Man hätte sich von diesem exzentrischen Hutkünstler vielleicht mehr Kreativität erwartet. Der Raum ist dunkel, die Objekte, zumeist kühne Kreationen aber auch historische Stücke aus der Sammlung des Museums in den kioskartigen Vitrinen sind nach Themen gegliedert: Einflüsse (Exotismus, Stilepochen, Natur…), Materialien (Filz, Papier, Federn…), berühmte Kunden (natürlich die königliche Familie, aber auch Stars des Showbiz). Filmausschnitte zeigen Modeschauen, die Techniken des Hutmachers, ein Interview mit Stephen Jones…
Die zweite Ausstellung im V&A war dem Glanz der Zaren gewidmet „Magnificence of the Tsars“. Auch dies eine sehr konventionelle Kostümausstellung. Der Schwerpunkt liegt auf den Einflüssen der europäischen Mode seit dem 18. Jhdt. und dem allmählichen Aufkommen der schlichten Uniform als Alltagskleidung des Monarchen. Prächtige Stickereien, leuchtende Farben kennzeichneten die Männermode lange Zeit hindurch und bildeten einen krassen Gegensatz zu den extrem schlichten schwarzen, schmucklosen Trauergewändern wie zB. dem Trauermantel von Peter dem II. Im Alter von nur 15 Jahren am Morgen seiner Hochzeit verstorben, ist dies das Kleidungsstück das der junge Mann in seinem kurzen Leben am häufigsten getragen hat und das die stärksten Abnutzungsspuren zeigt.
Nächste Station die Tate Modern. Dieses ehemalige Elektrizitätswerk mit seinen überdimensionierten Räumen kam uns diesmal auch eher enttäuschend vor. Schon der Gesamteindruck ist irgendwie trübe, die Beleuchtung setzt keine Akzente, das Mobiliar mutet bereits leicht gestrig an. Eine Ausstellung ist den russischen Konstruktivisten und Designern Alexander Rodchenko und Liubov Popva gewidmet eine zweite der Fotografin Roni Horn. Auch hier nichts Neues unter der Sonne, brave, konventionelle Ausstellungen.
Die Royal Academy of Arts zeigt „Byzantium, 330-1453“. Auch hier ist das Ergebnis leider enttäuschend. Kostbare und eindrucksvolle Objekte in klobigen, schlecht ausgeleuchteten Vitrinen. Der Besucherandrang ist gross und die Disposition der Vitrinen erschwert die Zirkulation noch zusätzlich. Man fragt sich zB. warum bei grossen Vitrinen die Beschriftungen nicht auf beiden Seiten angebracht sind sodass mehr Leute gleichzeitig zum Lesen kämen. Eine weitere Ausstellung unter dem, ach so beliebten, Motto „Die Schätze von…“, beliebig abzuwandeln mit dem Zusatz „der Pharaonen“, „der Vikinger“, „der Inka“ etc. etc.
Ein amüsantes, wenig bekanntes Museum ist das „Museum of Brands, Packaging and Advertising“ in Notting Hill. Aus einer Privatsammlung hervorgegangen kann man hier eine historische Tour durch Werbung und Verpackung machen, seit den Zeiten der Queen Victoria bis heute. Die von oben bis unten vollgepackten Vitrinen sind szenografisch gesehen eher katastrophal aber man amüsiert sich, bekannte Produkte und die Wandlungen ihrer Verpackung oder die sozialen und historischen Einflüsse in Werbung und Packaging aufzuspüren.
Sehr interessant war schliesslich die Ausstellung „Unveiled: New Art from the Middle East“ in der Saatchi Gallery. 21 Künstler aus dem Mittleren Osten, Iran, Irak, Palästina… präsentieren hier ihre Bilder, Installationen, Photos, Skulpturen. Auch wenn der Grossteil von ihnen inzwischen im Westen lebt, ist ihr Werk stark von ihrem jeweiligen kulturellen Background aber auch der aktuellen sozialen und politischen Lage beeinflusst. Besonders beeindruckend die aus Alufolie gerformten knieenden Frauen von Kader Attia, die lebensgrossen puppenartigen „Teheran prostitutes“ von Shirin Fakhim und die „Men of Allah“ von Ramin Haerizadeh, die verschleierten Frauen von Shadi Ghadirian deren Gesichter durch ein Haushaltsgerät (Sieb, Plastikhandschuh, Besen…) ersetzt sind und vor allem die Installation des in Hebron geborenen und in Ramallah lebenden Wafa Hourani. Die Website der Saatchi Gallery erlaubt es, sich eine Idee zu machen.
Last but not least stand noch eine andere Galerie auf dem Programm, die Mall Galleries die eine Auswahl iranischer Künstlerinnen mit sehr unterschiedlichen Arbeiten ausstellte: „The Masques of Shahrazad: evolution and revolution through three generations of Iranian women artists“. Den stärksten Eindruck in dieser Galerie hinterliessen jedoch die schwarz/weiss Fotos von Munem Wasif „Salt Water Tears: Lives left behind in Satkhira, Bangladesh“. Der junge Fotograf erhielt 2008 den Auftrag, die fatalen Folgen der Wasserknappheit und der Schäden durch planlose Ausbeutung der Ressourcen einer Region zu dokumentieren um damit die Arbeit der NGO WaterAid zu unterstützen. Die Fotos der vom Salz zerfressenen Landschaft, der wassertragenden Frauen, der an schweren Krankheiten leidenden Bevölkerung sind unheimlich ausdrucksstark, berührend und trotz ihrer Ästhetik nicht beschönigend sondern eben dadurch noch ergreifender.
Abschliessend noch ein paar allgemeine Feststellungen. In allen Museen und Ausstellungen herrschte grosser Publikumsandrang, viele junge Leute, viele Schulklassen, aber auch zahlreiche Gruppen älterer Damen die zum Teil an Kursen (Aquarellmalerei etc.) vor Ort teilnahmen. Der Eintritt in die Museen und Galerien ist (fast durchwegs) gratis, die Sonderausstellungen hingegen sind eher teuer und es wird an allen Ecken und Enden um Spenden geworben. Jeder Orientierungsplan soll durch eine Spende „erworben“, jedes Garderobestück von freiwilligen Geldgaben begleitet werden. Ebenso mündet jede Ausstellung direkt in einen reich bestückten Shop. Cafés und Restaurants profitieren gleichermassen von den Ersparnissen beim Eintritt. A propos Café: das Museumsrestaurant im V&A Musem ist das erste Museumsrestaurant überhaupt und lohnt den Besuch: reiche Dekorationen, Keramikfliessen, Art déco Leuchter etc. – schade nur dass Tische und Stühle aus Plastik nicht dem edlen Rahmen entsprechen.

Auf der Suche nach Kölner Archivalien

Geschrieben von am 12. März 2009 11:10

In Köln laufen die Rettungsarbeiten auf Hochtouren, um noch einige der Archivalien des Stadtarchives bergen zu können. Unterstützung von einer anderen Seite kommt auch von „prometheus – Das verteilte digitale Bildarchiv für Forschung und Lehre e.V.“ Das Bildarchiv, ebenfalls in Köln ansässig, hat Das digitale Historische Archiv Köln, gegründet und möchte damit, wie es auf der Seite heisst, „einen Beitrag zur Rettung und Sicherung der kulturellen Erinnerung der Stadt Köln leisten“ (…) Wir streben auf dieser Plattform eine möglichst vollständige Sammlung von Digitalisaten zum Historischen Archiv Köln an und greifen deshalb auch auf Reproduktionen von gedruckten Abbildungen zurück.“

Wer also einmal im Stadtarchiv von Köln gearbeitet hat und Kopien von Archivalien anfertigen konnte, ist eingeladen, diese auf den Server des digitalen Historischen Archivs Köln zu stellen. Im Moment sind es schon 364 Dokumente, die hochgeladen wurden.

Fotografie braucht Text

Geschrieben von am 10. März 2009 13:03

„Nicht der Schrift-, sondern der Photographie-unkundige wird, so hat man gesagt, der Analphabet der Zukunft sein.“ – so Walter Benjamin. Es heisst aber in der „Kleinen Geschichte der Photographie“ weiter: „Aber muss nicht weniger als ein Analphabet der Photograph gelten, der seine eigenen Bilder nicht lesen kann? Wird die Beschriftung nicht zum wesentlichsten Bestandteil der Aufnahme werden?“

Dass die Bildunterschrift eng mit der Fotografie gekoppelt ist, da sich ein Bild nicht immer von selbst erklärt, darauf verweisen gleich zwei Fotografie-Ausstellungen – allerdings aus zwei ganz verschiedenen Richtungen.

In Paris zeigt die Ausstellung Controverses in der Nationalbibliothek, die aus dem Musée d’Elysée in Lausanne kommt, mehr oder weniger eindeutige Bilder. Kontroversen erzählt die Skandale, die mit den Fotografien vermittelt wurden, – also Fotografien, die angeeckt haben, die verboten wurden und über die man sprach. Dies wird von den Anfängen der Fotografien bis in die Gegenwart abgehandelt. Es sind viele bekannte Fotografien dabei – wie der Kuss am Hotel de Ville von R. Doisneau, der Soldat von Capa oder die küssende Nonne vom Werbefotografen Toscani. Während beim letzten Foto der Konflikt offensichtlich ist, braucht man bei den anderen Informationen – und Bildtexte bekommt man wohl zu Genüge.
In Paris kamen noch weitere Fotografien hinzu: etwa ein Propaganda-Foto aus der Zeit der Besatzung von André Zucca (der Museumsblog berichtete hier darüber), oder ein Foto-Porträt von Sartre, aus dem man die Zigarette wegretuschiert hatte. Das stammte im übrigen aus einer eigenen Ausstellung der Nationalbibliothek…
Dem Rezensenten in Le Monde hat es auf alle Fälle gut gefallen. Hier kann man sich einige der Fotos anschauen.

Die andere Ausstellung wird gerade in Wien, in der Albertina gezeigt. Die Fotografie und das Unsichtbare, eine Ausstellung, die vom San Francisco Museum of Modern Art stammt, geht auch bis in die Anfänge der Fotografie zurück und zeigt das, was das menschliche Auge sonst nicht sehen kann. Zum Beispiel eine männliche Krätzmilbe, die Auguste-Adolphe Bertsch in den 185oer Jahren aufgenommen hat, Pflanzenquerschnitte oder Mikrodaguerreotypien von W. H. Fox Talbot. In der Bildergalerie kann man sich einige der Fotografien anschauen, auf Ö1 Inforadio kann man ein Interview mit der Kuratorin Monika Faber anhören.

In beiden Ausstellungen bleibt letztendlich die Frage offen, ob man seinen Augen trauen kann. Es wäre bestimmt interessant, die beiden Ausstellungen gleich hintereinander anzusehen. Zwischendurch könnte man im jeweiligen Katalog blättern….

Controverses, Bibliothèque nationale de France
58, rue de Richelieu, 75o02 Paris
Di- Sa 10-19, So 12-19 Uhr
bis zum 24. Mai

Die Fotografie und das Unsichtbare
Albertinaplatz 1, 1010 Wien
täglich 10- 18 Uhr, Mi 10 – 21 Uhr
ebenfalls bis zum 24. Mai

Archive schützen!

Geschrieben von am 9. März 2009 13:15

Ist die Digitalisierung von Archivgut, wie es nun Burkhard Spinnen angesichts der Kölner Tragödie hier in der Frankfurter Rundschau vorschlägt, die einzige richtige Lösung? Anscheinend ist das bei einigen der Urkunden, Fotografien, Karten und Plänen in Köln auch schon der Fall gewesen. Und das ist auch gut so; eine Digitalisierung sollte in Köln (nun ja teilweise leider zu spät) oder anderswo auch vorangetrieben werden.

Doch nichts, aber auch nichts kann das Original ersetzen. Wer selbst schon Archive benutzt hat, weiß nur zu gut, wie spannend es ist, wenn man sich ein Original ansehen darf. Deswegen fände ich es sehr sinnvoll, sich vor allem darum zu kümmern, dass die Originale gut behandelt werden – das heißt das kulturelle Erbe auch fachgerecht aufzubewahren, wie es hier etwa im Artikel von Gerhard Banik und Sebastian Dobrusskin beschrieben wird. Auf der Seite des Forums Bestandserhaltung gibt es übrigens auch eine Liste dazu, was in Notfällen zu tun ist.
Köln nützt das freilich alles nichts mehr. Aber vielleicht kann Köln als lehrreiches Beispiel dienen, Hinweisen, die es wohl gegeben hat, auch rechtzeitig nachzugehen, um Kulturgut zu schützen.

Wer sich für Digitalisierung in Archiven, Bibliotheken und Museen interessiert, kann sich hier auf nestor informieren: das ist das deutsche Kompetenznetzwerk zur digitalen Langzeitarchivierung (gefördert vom BMBF).

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