Neuer Kulturminister in Frankreich

Geschrieben von am 24. Juni 2009 09:02

Nun ist es offiziell: es gibt (wieder einmal) einen neuen Kulturminister in Frankreich. Den Namen kann man sich dieses Mal gut merken – es ist Frédéric Mitterrand, der Neffe des ehemaligen Staatspräsidenten François Mitterrand. Der neuen Kulturminister ist Autor, war schon Schauspieler, Kino-Besitzer und vor allem hat er beim Fernsehen als Programmdirektor und Moderator gearbeitet. Zuletzt hat er die die französische Akademie in der Villa Médicis in Rom geleitet. Kino ist wohl seine Leidenschaft – ob es die Museen auch werden können?

Hier steht etwas über den neuen Kulturminister in der Libération und hier in der Süddeutschen Zeitung.

Kunst in der Toskana

Geschrieben von am 18. Juni 2009 12:35

Man muss sich schon Zeit nehmen, möchte man alle Installationen sehen, die auf dem Gelände von 16 Hektar ausgestellt sind: Il Giardino di Daniel Spoerri beherbergt seit 1997 Skulpturen und Installationen von über 40 KünstlerInnen; darunter viele Arbeiten von Hausherr Daniel Spoerri selbst.

Wir besuchten den Park an einem heißen Sommertag. Als Besucherin wird man mit einem Plan ausgestattet, der einen Rundgang empfiehlt. Am spannendsten ist es aber, sich einfach überraschen zu lassen. Da biegt man zum Beispiel um’s Eck und sieht im Gebüsch das Pariser Hotelzimmer, das Spoerri in den 1960er Jahren bewohnte – nun für ewig in Bronze gegossen.

Manche Skulpturen passen sich der hügeligen Landschaft und den Farben an; andere machen einen schon von weitem neugierig – wie die überdimensionierte Gänseherde von Olivier Estoppey.
So verbringt man einen Tag voller Überraschungen und ungewöhnlichen Kunsterlebnissen – ein Ausflug, der sich auf alle Fälle lohnt.

Wer nicht so weit fahren möchte, kann Spoerri auch in Österreich erleben: In Hadersorf in Niederösterreich eröffnet Spoerri morgen in einem ehemaligen Kloster ein Ausstellungshaus und ein Esslokal – kein Museum, wie Spoerri betont.

Die Frankfurter Rundschau sprach mit Spoerri in einem Interview über sein Vorhaben. Auch das ORF berichtete vorab sowie der Tagesspiegel.

"Ich fände eine Zusammenführung herabsetzend"

Geschrieben von am 12. Juni 2009 15:00

so meinte laut dem untenstehenden Beitrag ein Kollege…

Gegenbeispiel (eines unter vielen man denke nur an Neuchâtel!) die Ausstellung „Rot“ die letztes Jahr in Basel zu sehen war.
Hier ein paar Bildbeispiele:

Kommt hier zusammen, was zusammengehört?

Geschrieben von am 10. Juni 2009 11:39

In Wien gibt es Neues zu vermelden: das Museum für Völkerkunde und das Museum für Volkskunde fusionieren. Laut Wiener Standard vom 6. Mai wird „die Zusammenlegung der beiden Museen“ immer wahrscheinlicher. Geredet wurde ja schon lange darüber und hinter den Kulissen agierten die Beteiligten. Nun soll eine Museumsreform Klarheit bringen.

Zum Vorschlag der Zusammenlegung der beiden Museen war es u.a. gekommen, als sich abzeichnete, dass das Museum für Volkskunde die Sanierung für den wunderbaren Schönbornpalast in der Laudongasse alleine nicht leisten kann und die Stadt dafür nicht aufkommen möchte…
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Zu Besuch beim Fabrikanten

Geschrieben von am 9. Juni 2009 09:25

Im schwäbischen Städtchen Murrhardt, verbrachte der Fabrikant Robert Franck die Sommermonate. Dafür ließ er nicht ein bescheidenes Ferienhaus errichten, sondern ein repräsentatives Anwesen mit einer imposanten Jugendstilvilla, in die man schon mal seine Angestellten des weltweit verzweigten Imperiums oder Geschäftspartner einladen konnte. Heute erstrahlt die Villa Franck fast wieder im alten Glanz. Das geht auf die Initiative der neuen Besitzer zurück, die seit 2001 zum Teil mit Hilfe der Denkmalstiftung Villa und Anwesen restaurieren.

Die Villa ließ der Fabrikant zwischen 1904-1907 vom Stuttgarter Architektenbüro Paul Schmohl & Georg Staehelin errichten. 1939 wurde das Anwesen verkauft. Die nachfolgenden Nutzer veränderten nur minimal die Innenausstattung, so dass das Jugendstilambiente nahezu komplett erhalten blieb.

Das Produkt, womit der Reichtum der Familie verdient wurde, kennen wir alle und wenn nicht, könnte man nach einer intensiven Betrachtung der verschiedenen dekorativen Elemente im Park oder der Innenausstattung darauf kommen: Der Name Franck steht für den so genannten Mocca faux, dem Muckefuck, eine Mischung aus Zicchorien, Roggen und Gerste. Einer der Markennamen war das Karo, das als Verzierung überall wieder auftaucht. So kann man im Esszimmer der Villa sich so richtig vorstellen, was der Auftraggeber seinen Architekten mit auf den Weg gab: die Innenausstattung soll schon modisch sein – also im Jugendstil – aber das Karo und der Kaffee sollen auch vorkommen. So ziert die Decke im Esszimmer viele Karos; kleine Kaffeebohnen sind in Intarsien eingelassen.

Auf diese Feinheiten weist einen der Hausherr Patrick Siben selbst hin, denn die Villa ist in Privatbesitz und nur für Konzerte und Themenveranstaltungen geöffnet. Führungen in der Villa können vereinbart werden oder man kommt einfach, am ersten Samstag im Monat zu einer kostenlosen öffentlichen Führung, die der Hausherr selbst macht. Selten habe ich so eine informative, kluge und zugleich lustige, aber nie launig gehalte Führung erlebt, bei der man viele Einblicke in die Baugeschichte und Nutzung des Gebäudes und des Gartens bekam.

Auf der Internetseite der Villa Franck erhält man viele Hinweise, wie man das Jugenstilensemble noch erleben kann – etwa im Rahmen von musikalischen Abenden oder privaten Feiern.

Mehr über die Landkaffee Manufaktur Franck erfährt man auf der Seite von Kaffeetradition e.V. Das Archiv des Franck’schen Firmenimperiums liegt im Staatsarchiv in Ludwigsburg.

Die Bilder stammen alle von der Internetseite der Villa Franck.

Who Needs a Museum of World Cultures When There Is Cable-TV?

Geschrieben von am 5. Juni 2009 10:27

Provokante Frage im gut gemachten Prospekt des Weltkulturmuseums (Väldskultur museet) in Göteborg. Das Museum ist Teil eines nationalen Netzwerkes von vier schwedischen Institutionen: dem Etnografska Museet, dem Ostasiatiska Museet und dem Medelhays Museet, alle in Stockholm.

Das Museum der Weltkulturen basiert auf der Vereinigung mehrere alter Sammlungsbestände und sieht sich als Ort der Integration, der Information – aber auch der Provokation. Im Zentrum des vom englischen Architektenteam Cécile Brisac und Edgar Gonzalez 2004 entworfenen und mit einem Preis bedachten Bauwerkes, ist eine monumentale Stiege die auch als Sitzgelegenheit für im Atrium stattfindende Eriegnisse dienen kann. Beton und Glas sollen Transparenz und Offenheit aber auch Solidität versinnbildlichen. All dies klingt gut und so waren unsere Erwartungen gross.
Leider war aber die Realität eher enttäuschend…  Die mächtige Eingangshalle ist menschenleer, die Gerüche der offenen Cafeteria/Self Service sind dagegen voll präsent. Eine kleine Fotoausstellung, halb versteckt, im Erdgeschoss zeigt junge Inderinnen die sich durch den Boxsport ihrer Kondition entziehen wollen.
Eine Ausstellung im ersten Stock ist dem Phänomen „Bollywood“ gewidmet. Das ist farbig, amüsant und recht interessant. Man sieht Filmausschnitte und Plakate, erfährt einiges über die ökonomische Bedeutung der Filmwirtschaft, über die Geschichte des indischen Films, den Starkult, die Darstellung der Minderheiten oder den Einfluss auf das Schönheitsideal. Der Besucher wird eingeladen, im Karaokestil mitzusingen und -zutanzen oder mit Hilfe einiger Accessoires seinen eigenen kleinen Bollywoodfilm zu drehen und ihn via Inetrnet direkt an eine email Adresse zu verschicken – leider funktionierten diese elektronischen Gadgets aber – wie so oft – nicht!
Eine weitere Ausstellung widmet sich der „Beutekunst“. Sie zeigt peruanische Textilien die als Leichentücher verwendet wurden und die durch Raubgrabungen und Schmuggel ins Museum – und in andere private sowie öffentliche Sammlungen – gelangt sind. Ein interessanter, selbstkritischer Ansatz aber leider haben auch hier die Bildschirme nicht funktioniert… Warum auch die ihrer Empfindlihkeit wegen in einem abgedunkelten Raum ausgestellten – wunderschön farbenprächtigen – Textilien dann aber auch zum Teil in kniehohen Vitrinen liegen ist eher unverständlich.
2 1/2 Ausstellungen in dem weitläufigen Gebäude – das ist ein bisschen ärmlich vor allem in Hinblick auf die Ambitionen die das Museum auf seiner website und in der Broschüre publiziert.
Laut der sympathischen Direktorin sind wir allerdings zu einem schlechten Augenblick gekommen und normalerweise sprühe das Haus vor Leben… 200.000 Besucher pro Jahr lassen dies allerdings ein bisschen bezweifeln.

Figurinen im Museum X

Geschrieben von am 3. Juni 2009 11:53

Fast meint man, sie stehen von ganz alleine, die vielen Harnische im Wien Museum, dem historischen und stadtgeschichtlichen Museum von Wien. Die Rüstungen stammen aus dem Bürgerlichen Zeughaus von Wien, dessen Bestand einst den Grundstock des Wien Museums bildete.

Sitzen im Museum- einmal anders

Geschrieben von am 2. Juni 2009 15:56

oder: Alles über Stühle

„Alla dessa stolar“ heisst eine Ausstellung im Göteborger Stadtmuseum die noch bis zum 31. August zu sehen ist.
700 Sitzgelegenheiten aller Art, vom Melkschemel bis zum Designersessel oder zum bürgerlichen Ohrenfauteuil sind in der Sammlung des Museums zu finden. Die pfiffig gemachte, mit Licht- und Farbeffekten arbeitende Ausstellung geht nun verschiedenen Fragestellungen nach: wie sind die einzelnen Objekte ins Museums gelangt? Wer hat sie gesammelt und warum? Wie wird ihr Wert bestimmt? Was kann man über soziale Verhältnisse aus ihnen herauslesen? Was sagen sie aus über Geschlechterrollen?
Die Ausstellung mit ihren klaren nicht zu umfangreichen Texten (auf Schwedisch und Englisch) regt zum Nachdenken an und macht deutlich, dass das Museum als bürgerliche Gründung mit Mitarbeitern aus dem gehobenen Mittelstand ganz bewusst „Typisches“ kreierte.
Die ständige Schausammlung des Museums ist leider weniger kritisch und wirkt eher verstaubt: eine Überfülle von Objekten, ein völlig unklarer Ausstellungsparcours, Texte oft nur in Schwedisch sind nicht dazu angetan, den (ausländischen) Besucher zu interessieren.
Auf der website des Museums sind nur die Grundinformationen auf Englisch alle anderen Texte leider auch nur in der Landessprache. Erstaunlich, meint man doch immer, dass in den skandinavischen Ländern Englisch eine allgemeine Zweitsprache sei…

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