In jeder Vitrine ein Gewehr

Geschrieben von am 26. April 2007 15:05


Die Briten sind offensichtlich stolz auf das, was sie im militärischen Bereich erreicht haben und gehen damit, so scheint es, ganz umbefangen damit um: im Imperial War Museum in London trifft man nicht nur technikbegeisterte Männer oder ehemalige Angehörige der Royal Armee, sondern auch Familien mit kleineren Kindern, die sich nach dem Ausstellungsbesuch im Shop begeistert mit Panzern und Kriegsschiffen eindecken. Das Imperial War Museum hat alles, was ein Museum in unserer Zeit bieten sollte: es ist an vielen Stellen interaktiv, spricht alle Sinne an und macht augenscheinlich jeder Altersgruppe Lust, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Die Dauerausstellungen zum Ersten und Zweiten Weltkrieg oder die Abteilung zum “Secret War” weisen eine solide Museographie auf. Die Zeit nach 2001 allerdings erscheint etwas ausgespart: während “Secret War” sich auch mit Terrorismus, insbesondere mit der IRA beschäftigt, enden die “Militärischen Konflikte nach 1945″ mit dem ersten Golfkrieg 1990/91, wobei viele der Protagonisten von heute zumindest auf Fotos dabei sind.
Vor dem Eingang zum “Blitz Experience” ist eine lange Schlange; es sind solche Inszenierungen, die das Museum für viele so attraktiv macht: wo kann man denn sonst einen Bombenflug auf London miterleben, riechen, spüren? Dass das Ganze eher den Charakter einer gut gemachten Geisterbahn hat, stört keinen.
In einem interessanten Artikel in der ZEIT über die Kriegsmuseen in England von 2003 lese ich: “Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es nur ein einziges Jahr, in dem kein britischer Soldat getötet wurde.” Das Museum hilft, die Trauer darüber und das Entsetzen über Krieg – auch britische Soldaten sind u.a. im Irak im Einsatz – abzumildern und eine gesellschaftliche Akkzeptanz dafür zu schaffen.

Das älteste Museum Großbritanniens

Geschrieben von am 23. April 2007 11:45



Nun habe ich auch das älteste Museum Großbritanniens besucht: Das Ashmolean Museum befindet sich in Oxford und geht auf die Sammlung zurück, die Vater und Sohn gleichen Namens, John Tradescant, zu Beginn des 17. Jahrhundert in Lambeth bei London angelegt hatten. Beide waren sie Botaniker und Gärtner. Wissbegieriges Publikum konnten in ihrem Haus (das passenderweise “The Ark” hieß) schon ab 1638 gegen Eintrittsgeld die Wunderkammer der Tradescants anschauen; 1656 wurde ein Katalog der Sammlung angefertigt. Die Sammlung ging dann an Elias Ashmole über, der sie der Universität Oxford schenkte, die 1683 ein Museum eröffnete. Die Sammlung befand sich in bester Gesellschaft mit Unterrichtsräumen der Universität und einem chemischen Labor. Im 19. Jahrhundert setzten die Kuaratoren den Schwerpunkt auf Naturalien und hielten interessanterweise die von Menschen angefertigten Werke für zweitrangig. Mitte des 19. Jahrhundert wurde dem Museum der naturwissenschaftliche Zweig allerdings genommen, als sich die Universität entschied, dafür ein Museum zu gründen. Die gesamte Naturalien-Sammlung wurde in das neue Oxford University Museum for Natural History transferiert. Das Ashmolean konzentrierte sich nun mehr auf Kunst und Archäologie, konnte einige andere Sammlungen übernehmen und zog noch im 19. Jahrhundert in ein neues Gebäude. Auch wenn das Museum gerade gründlich saniert und erweitert wird, sind doch einige erstaunliche Dinge zu sehen. So zeigt das Museum während des Umbaus seine Schätze, zu dem u.a. das erste von John Tradecant gesammelte Stück gehört: Der Umhang von Powhatans aus Virginia, Nordamerika. Am besten gefallen hat mir die Abteilung für holländische und flämische Stillleben. Ich bin gespannt, ob das Museum auch noch nach dem Umbau den anrührenden, verstaubten Charme ausstrahlt, den es auf mich hatte.

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