Nur für dich

Geschrieben von am 3. Juni 2008 17:16

Antoine Capets Rezension der Ausstellung For Your Eyes Only: Ian Fleming and James Bond im Imperial War Museum in London macht Lust, hinzugehen.
„The difficulty for its curators resides in finding the right mix between
that ambition and continuing to attract new visitors with less ‘high-brow’
events“, so Capet. Und er bescheinigt, dem IWM das nötige Mittelmaß gefunden zu haben: „Again, less ‘high-brow’ does not necessarily mean cheap
commercialism, as shown in the current _ Ian Fleming and James Bond_Exhibition.“
Bis zum 9. März 2009 ist noch Zeit, hinzugehen.
Hier ist die gesamte Ausstellungsrezension zu lesen.

Geliebt, gehasst, geköpft – und wiederentdeckt

Geschrieben von am 2. Juni 2008 16:45

Noch bis Ende des Monats zeigt das Pariser Grand Palais eine Ausstellung über Marie-Antoinette. Mehrere Biografien aber vor allem der Film von Sofia Coppola haben die unglückliche Königin wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt.
Die Szenografie des Kanadiers Robert Carsen, ist überaus geglückt. Man merkt, dass Carson vom Theater kommt, er weiss die einzelnen Stationen effektvoll in Szene zu setzen. Die Ausstellung zieht sich durch Zimmerfluchten, zuerst in fröhlichem, warmen Rot wird die unbeschwerte Kindheit der Erzherzogin am Wiener Hof dargestellt, bevor zartes Lichtblau ihre ersten Jahre am französischen Hof symbolisiert. Kühler aber dennoch hell und unbeschwert ist der Hintrgrund. Die Bilder der französischen Königsfamilie zeigen, ausser dem alternden Louis XV, Halbwüchsige, fast noch Kinder (Louis XVI, seine Brüder, Schwestern und Schwägerinnen), ein Umfeld in dem die lebenslustige Österreicherin anfangs bewundert und geliebt wird. Zahllose Bilder, Büsten, Stiche sollen die Thronfolgerin auch dem einfachen Volk nahebringen. Immer toller und aufwendiger werden Vergnügungen, Moden, Frisuren bevor die Zeit der neuen (stilisierten) Einfachheit kommt. Zartes Grün umgibt die Möbel und Dekorationsobjekte die Marie-Antoinette ohne Unterlass für ihre verschiedenen Schlösser und vor allem für ihr geliebtes Trianon anfertigen lässt. Eine Theaterkulisse dient als bukolischer Rahmen für die Porträts ihres Freundeskreises der sie nach und nach dem offiziellen und einflussreichen Hofadel entfremdet. Die Farben verdüstern sich. Auch die Porträts Marie-Antoinettes im Kreise ihrer Kinder vermögen die öffentliche Meinung nicht mehr zu beeinflussen. Immer dunkler und leerer wird es um sie – und um den Besucher. Der letzte Raum ist schwarz, an den Wänden rechter Hand, die Karikaturen, Spott- und Hassschriften, auf der linken Seite Auszüge aus ihren letzten Briefen die immer hoffnungsloser werden. Einige wenige, armselige Gegenstände zeugen von der Härte ihrer Gefangenschaft. Und schliesslich an der dem Eingang gegenüberliegenden Schmalseite von einem Rahmen in Form eines dunkelroten Schafottes umgeben, ihr letztes Bild, eine kleine Zeichnung die sie auf dem Schinderkarren zeigt. Tragisches Ende der Geschichte einer lebenslustigen und unkonventionellen jungen Frau (sie ist 38 Jahre alt als sie geköpft wird).
Die Objekte und Bilder sind geschickt gewählt, vielfältig ohne den Besucher zu erdrücken, die Texte sind gut lesbar, nicht zu lange aber informativ, zeitgenössische Musik ergänzt die visuellen Eindrücke. Eine, meiner Meinung nach, beispielhafte Ausstellung über eine historische Persönlichkeit die dazu anregt, sich im Anschluss in eine der zahlreichen Biografien zu vertiefen – besonders empfehlenswert jene von Stefan Zweig!

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer…

Geschrieben von am 1. Juni 2008 19:30

aber immerhin eine der wenigen erfreulichen Nachrichten aus dem Irak: Eines der Museen in Bagdad soll im Juni nach langen Renovierungsarbeiten infolge der Kriegsschäden wiedereröffnet werden. Schon im April hat die syrische Regierung 700 antike Objekte, hauptsächlich Gefässe und Goldschmuck, den irakischen Verantwortlichen zurückerstattet. Laut Le Monde wurden mehr als 32.000 wertvolle Stücke seit dem Einmarsch der Amerikaner 2003 aus den archäologischen Ausgrabungsstätten und Museen entwendet.

Nicht ärgern, nur wundern!

Geschrieben von am 30. Mai 2008 18:54

Wer mag wohl die Beschriftungen in der erst kürzlich generalrenovierten und neu aufgestellten Cité de l’architecture et du patrimoine (Paris) verfasst haben? Die einzigartige Abgusssammlung romanischer und gotischer Architektur verleitet den neugierigen Besucher dazu, mehr zur Ikonographie der meist religiösen Szenen wissen zu wollen. Glücklich eine Beschriftung entdeckt zu haben, geht erwähnter Besucher in die Knie um sie zu lesen. Was erfährt er? Woher die Moulage stammt, o.k., wer die Abformung gemacht hat – was soll der Besucher wohl damit anfangen? – wann die Abformung in die Sammlung aufgenommen wurde – siehe oben…. und ihre Inventarnummer.
Schlussfolgerung: entweder die Kuratoren überschätzen die Besucher und halten sie für Spezialisten mittelalterlicher Ikonographie oder – was wohl eher zu vermuten ist – sie haben diese ewige Neugier der Besucher einfach satt!

Der erste sein

Geschrieben von am 30. Mai 2008 09:32

Gestern kam auf Arte zu später Stunde der Dokumentarfilm „Museumsbusiness“.
Es ging um die Expansion der großen Museen und Stiftungen wie Guggenheim und Louvre, also um Bilbao, Atlanta und Abu Dhabi. Laut Programminfo sollte gefragt werden:
„Handelt es sich hierbei um gefährliche Kommerzialisierung oder Vermarktung der Kultur? Oder ist das Herausbilden eines gewissen Kulturbusiness eher positiv, um die Sammlungen zur Geltung zu bringen, neues Publikum zu gewinnen und kulturelle Einzugsgebiete zu erweitern? Bietet es den Institutionen nicht auch die Möglichkeit, ihre Mittel aufzustocken?“
Dazu wurden Thomas Krens, Direktor der Guggenheim-Stiftung, Henri Loyrette, Präsident des Louvre, der damalige zuständige baskische Kulturminister in Bilbao, Mitarbeiter von France-Muséums, der Agentur, die mit der Abwicklung des Louvre Abu Dhabi betraut ist, der Scheich in Abu Dhabi und noch einige mehr befragt. Interessant war der Fall von Bilbao, weil klar wurde, dass es sich um eine baskische Initiative handelte, die sich auch durchzusetzen wußte und allein die Aufwertung der Region im Visier hatte.
Eigentlich, und das betrifft vor allem den Louvre und seinen Expansionsbestrebungen, kamen im Film nur die Personen zu Wort, die wortreich begründeten, dass es sich natürlich um keinen Ausverkauf der Kunst handle, sondern nur um eine bessere Positionierung der Museen. Den positiven Stimmen stand ganz alleine der Kunsthistoriker und Kritiker an den Expansionsplänen des Louvre, Didier Rykner (zugleich Betreiber von la tribune de l’art) gegenüber. Obwohl die beiden französichen Autoren Sylvain Bergère und Stéphane Osmont anfangs die Petition gegen die Expansionspläne des Louvre erwähnten. Wieso kamen hiervon nicht mehr Kritiker zu Wort? Etwa die Kunsthistoriker Jean Clair, Françoise Cachin oder Philippe de Montebello, (noch) Direktor des Metropolitain Museum in New York, der sich dezidiert gegen die Politik der Depandancen ausgesprochen hat? Wollten die nicht oder durften die nicht? Schade, das hätte den Film ausgewogener gemacht. So war mir der Film, mit Verlaub gesagt, zu tendenziös. Und irgendwie auch selbst entlarvend. Wenn wir es nicht tun, so sagte der Leiter der Agentur France-Muséums, dann machen es die anderen. (Heißt das nicht auch übersetzt: die anderen können es nicht so gut wie wir?) Und die Sprecherin des Films sagte: Wenn Frankreich im internationalen Wettbewerb einen Vorsprung hat, sollte es ihn auch nutzen. Um was geht es hier eigentlich? Etwa noch um Kunst?
Den Film kann man sich bei arte hier noch 7 Tage lang anschauen.

Körpersäfte

Geschrieben von am 29. Mai 2008 15:44


Bis 26. Oktober zeigt das Volkskundemuseum Joanneum in Graz eine Ausstellung mit dem Titel „Blut, Schweiss und Tränen. Botschaften des Körpers“. Diese „Säfte“ sind nicht nur eine physiologsche Notwendigkeit, sondern werden als ausdrucksstarke Metaphern und Symbole in Wort und Bild immer wieder heraufbeschworen. Im Gegensatz dazu, werden sie aber im realen Leben verborgen, widersprechen sie doch dem Ideal des heilen, sauberen und schmerzfreien Körpers. Die Ausstellung, kuratiert von Eva Kreissl, folgt den Spuren dieser Körperflüssigkeiten durch die Kulturgeschichte, in Kunst, Mythologie und Religion und eröffnet so ungewohnte Perspektiven.

Wüstenzwinger? Wüstenpergamon? Wüstenpinakothek?

Geschrieben von am 29. Mai 2008 11:11

So, nun hat Deutschland auch sein Abu Dhabi und seinen Wüsten-Louvre!
„Kultur-Generäle im Wüsten-Einsatz“, so titelte Eckhard Fuhr in der Welt seinen Beitrag über die Reise der drei Direktoren Baumstark, Roth und Schuster, die jeweils die Zusammenschlüsse der Museen in München, Dresden und Berlin leiten. In Dubai soll mit deutscher Hilfe ein Universalmuseum eingerichtet werden, das sich mit den „Grundzügen des Weltwissen“ beschäftigt. Anfang Mai wurde dort ein Vertrag unterzeichnet, in dem festgehalten wird, was die deutschen Museen alles leisten. Dazu Fuhr:

„Die vereinbarte Zusammenarbeit bedeutet weder, dass Dubai mit Petro-Dollars – das Ölgeschäft spielt heute eine nur noch untergeordnete Rolle – deutsche Kunst ins Land holt, noch dass die deutschen Museen bloße Dependancen in der Wüste errichten. Sie umfasst die architektonische, technische und logistische Planung, die Ausbildung von Museumspersonal und den Aufbau von einschlägigen Studiengängen. Schließlich soll in Dubai auch eine eigene Sammlung aufgebaut werden.“

Nun sitzt man an der Ausarbeitung des Konzepts, denn Ende nächsten Jahres (!) soll schon die erste Ausstellung in einem provisorischen Gebäude gezeigt werden. Rem Koolhaas soll es bauen. Das geht ganz schön fix in der Wüste – hier muss man sich wohl auch nicht mit Formalitäten, die eine Demokratie so mit sich bringt, auseinandersetzen, da in Dubai ein Scheich regiert. Über Geld bzw. wieviel wohin fließt, wurde anscheinend nicht gesprochen; voraussichtlich wird das neue Universalmuseum einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Solch eine Summe kommt in Dubai wahrscheinlich aus der Portokasse.

Ausstellung annulliert

Geschrieben von am 28. Mai 2008 14:43

Neulich wurde hier im Museumsblog über eine geplante Ausstellung in Verona berichtet, in der Werke aus dem Louvre zu sehen sein sollten, die zuvor noch nie das Gebäude verlassen hatten und bei der es um viel Geld geht. Nun berichtet der französischsprachige Blog la tribune de l’art (der freundlicherweise gleich die englische Übersetzung mitliefert), dass diese Ausstellung abgesagt wurde; offiziell heißt es dazu:

“Given its present status, there is not enough time to organize this important exhibition, if one takes into account the works required as well as all of the technical, administrative and legal conditions needed to guarantee the arrival, safety and conservation of the masterpieces.”

La tribune de l’art hat vom zuständigen Kurator des Louvre erfahren, dass die Werke aufgrund von fehlenden Sicherheitsvorrichtungen in Verona vom Louvre zurückgezogen worden seien, und die Ausstellung nicht nur aufgeschoben sei.
Die Ausstellung findet also definitiv nicht statt. Sollte die Kritik, wie sie tribune de l’art hier formulierte, etwa angekommen sein?

Was ist das gewisse jüdische Etwas?

Geschrieben von am 27. Mai 2008 17:05

Wenn Ihnen dazu etwas einfällt, dann können Sie mit Ihrem Gegenstand und der dazugehörenden Geschichte eine Ausstellung mitgestalten. Denn die Objekte und Geschichten sollen am Jüdischen Museum München eingereicht werden, um die Ausstellung Ein gewisses jüdisches Etwas“ zu entwickeln. Dazu heißt es im Internet:

„Wir möchten Menschen unterschiedlicher Herkunft anregen, sich mit unerwartet Jüdischem ausserhalb der gewohnten Schienen zu befassen; wir möchten ein Erlebnis vermitteln, das jüdische Klischees nicht unhinterfragt lässt und Begegnungen rund um überraschende Gegenstände ermöglicht. (…) Wir laden herzlich ein, einen persönlichen Gegenstand, mit dem sich irgendetwas Jüdisches verbindet, irgendeine Geschichte, die einen jüdischen Aspekt hat, ins Museum zu bringen. Und die Geschichte, auf einem A4-Blatt aufgeschrieben, gleich dazu. Da gibt es Naheliegendes und Unerwartetes, Traditionelles und Überraschendes – wir freuen uns auf was immer da kommen mag, auf jede Art von Objekt und von Geschichten, die sich für jemanden darum ranken.“

Das könnte ganz interessant werden. Damit die KuratorInnen sich etwas darauf einstellen können, bitten sie um eine kurze Nachricht vor ab. Die Objekte und Geschichten sollen am 22. Juni in München im Museum abgegeben werden; die Ausstellung wird dann für drei Monate zu sehen sein, als letztes Kapitel der Ausstellungsreihe Sammelbilder. Alle Informationen stehen auf der Seite des Jüdischen Museums München.

Zur Kunstszene in Frankfurt am Main

Geschrieben von am 23. Mai 2008 14:34

Ein nun schon seit einigen Jahren fester Bestandteil der Kunstszene Frankfurt am Main ist das AtelierFrankfurt. Im ehemaligen Polizeipräsidium, einem Gebäude in der Nähe des Hauptbahnhofes, das 1914 erbaut wurde, möchte AtelierFrankfurt ein Zentrum für „zeitgemäße künstlerische Prozesse“ sein und „Produktion, Präsentation und Austausch verschiedener Disziplinen“ vereinen. In dem weitläufigen Gebäude haben KünstlerInnen ihre Ateliers und stellen regelmäßig im Projektraum ihre Werke aus. Weitere Ausstellungen finden in der Galerie im Erdgeschoß statt. Zur Zeit ist hier die Fotoausstellung
„(dis)simile – Fotografien aus Europa“ zu sehen. Hier wird in faz.net die Ausstellung, die im Rahmen der Kulturtage der EZB stattfindet, besprochen.
Im Projektraum stellt Sandip Shah seine schönen Bilder mit dem Titel „Izmir Frankfurt“ aus. Beide Ausstellungen sind bis zum 7. Juni zu sehen
ATELIERFRANKFURT, Hohenstaufenstraße 13-25, 60327 Frankfurt am Main
Donnerstag, Freitag, 17.00-20.00 Uhr und Samstag 15.00-18.00 Uhr
Alle Ausstellungen in Frankfurt am Main auf einem Blick gibt es hier.

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