Frankreichs Glanz und Glorie?

Geschrieben von am 21. Februar 2009 16:26

Jean Pierre Roux, ehemaliger Generalinspektor des Unterrichtsministeriums und Spezialist der politischen und kulturellen Geschichte Frankreichs im 19. und 20. Jahrhundert wurde von Christine Albanel damit beauftragt, einen Standort für das von Nicolas Sarkozy gewünschte Museum der französischen Geschichte zu finden.

Mehrere Vorschläge liegen bereits vor, so etwa in Paris das Hôtel des Invalides oder das hôtel de Soubise, (derzeit das historische Museum des Nationalarchivs), oder die Schlösser von Fontainebleau und Versailles wo seit 1837 ein Museum „à toutes les gloires de la France“ beherbergt ist. Es stehe dem Historiker aber jederzeit zu, andere Vorschläge zu unterbreiten…
Der Standort einmal gefunden, darf man sich wohl fragen, welche Sammlungen hier ausgestellt werden sollen. Man darf sich auch fragen, ob heute ein neues historisches Museum in einem Schloss oder anderen Prestigebau in Paris oder seiner unmittelbaren Umgebung untergebracht werden soll. Und ob die Wahl eines solchen Ortes nicht auch den Inhalt vorgibt: Glanz und Glorie, Selbstbeweihräucherung eben.
Und man darf sich auch fragen, ob in einer Zeit wo praktisch alle bestehenden Museen mit Budgetkürzungen konfrontiert sind, wo bereits eingeleitete und relativ weit fortgeschrittene Projekte dem Sparfstift zum Opfer zu fallen drohen, wo die Museen in der Provinz ausgehungert werden, wirklich Platz und Geld für ein neues Museumsprojekt vorhanden sind? Aber Mitterrand hatte den „grand Louvre“ mit seiner Pyramide, Chirac den Quai Branly, so braucht nun wohl auch Sarkozy sein Denkmal…!

Dallas am alten Hafen – Ein Roman in Fortsetzungen 3

Geschrieben von am 30. Januar 2009 21:40

Die Fortsetzung erfolgte schneller als erwartet:

Eben ist ein neuer Ritter an der Seite des MuCEM erschienen. In der Zeitung La Provence wird berichtet, dass Patrick Devedjian, neu ernannter Minister für den Wirtschaftsaufschwung anlässlich seines heutigen Besuchs in Marseille eine weitere Finanzspritze von mehr als 20 Millionen € angekündigt hat, die den grossen Projekten (Hafenausbau, MuCEM etc.) zu Gute kommen werde.
Wir erwarten atemlos wie’s weitergeht!

Dallas am alten Hafen – Ein Roman in Fortsetzungen

Geschrieben von am 30. Januar 2009 21:40

Im letzten Kapitel begegneten wir einer Ministerin die im Internet (mehr oder weniger) verschlüsselte Botschaften aussendet, einem geheimnisvollen Supermanager über dessen Identität wir noch nichts wissen und einem Team das ins Abseits gedrängt wird.

Im Kapitel zwei stehen unseren Helden neue Gegner ins Haus: zwei obskure Bürgerinitiativen haben gegen das Projekt Rekurs beim Verwaltungsgerichtshof eingelegt. Sie beanstanden die im Frühjahr 2008 erteilte Baugenehmigung mit der Begründung, dass das Museumsprojekt den alten Hafen seines einzigen Freizeit- und Entspannungsbereichs berauben würde…
In verschiedenen Geschäften des Nahbereichs liegen Prospekte auf, gedruckt von einem Verein der Hafengärten (!) „Association des jardins portuaires“ in dem gleichfalls in buntem Durcheinander gefordert wird: Radfahrpisten, Fussgängerzonen, einen Badestrand an der Hafenmole (wie schön zwischen Fährschiffen, Motorbooten, Segeljachten etc. vergnüglich zu plätschern!), die Bucht von Marseille unter Denkmalschutz zu stellen (Titel: eine der schönsten Buchten der Welt), Boule- und Kinderspielplatz anstelle des Museums und weitere lustige Einfälle dieser Art.
Auf der einen Seite also eine zögerliche Regierung, die alles bereits geleistete über den Haufen werfen will und obskure Obstruktionsmeier und ihnen gegenüber das MuCEM Team (bereits leicht angeschlagen), ein zornesbleicher Bürgermeister von Marseille und ein feuerspeiender Architekt der in TV und Presse Banausen und Hinterwäldler beschuldigt gegen das MuCEM und damit gegen die Kultur im allgemeinen und gegen Marseille selbst und seine Entwicklung zu sein.
Fortsetzung folgt!

DALLAS AM ALTEN HAFEN

Geschrieben von am 29. Januar 2009 12:35


Hat man erst kürzlich aufgeatmet und geglaubt das MuCEM sei endlich auf den Schienen und der Eröffnung 2013 stehe nun nichts mehr im Wege, so hat man sich getäuscht.

Trotz Krise scheint die Finanzierung gesichert – zumindest was den Bau betrifft, über die Bespielungskosten eines solchen Projektes zerbricht man sich bekanntlich oft erst im nachhinein den Kopf…
Nun war die Kulturministerin Christine Albanel in Marseille um die neuen Gebäude der Unterwasserarchäologie einzuweihen, jenes wissenschaftlichen Institutes das bisher im Fort Saint-Jean seine Büros und Lagerräume hatte. Das Marseiller MuCEM-Team erwartete folglich die Freigabe der Räumlichkeiten um nun ihre eigenen Büros hier einzurichten und so dem Ausstellungs- und späteren Baubetrieb auch räumlich nahe zu sein. Die Ministerin besichtigte das Fort Saint-Jean, den Saal G. H. Rivière (derzeitiger Ausstellungsraum) mit Blick auf die zukünftige Baustelle von Rudy Ricottis Museumsneubau. Ausser den in diesen Umständen angebrachten Höflichkeitsfloskeln kam aber nicht viel über die ministeriellen Lippen…
Gross war daher die Überraschung als durchsickerte, dass auf der Website des Kulturministeriums, wo die Ansprachen der Ministerin öffentlich abrufbar sind, einiges durchaus Bemerkenswertes zu lesen wäre. In diesem – aus welchem Grund auch immer – nicht gehaltenen Diskurs findet man folgende Aussagen: die Eröffnung des MuCEm 2013 sei ein fundamentaler Bestandteil der Festivitäten im Rahmen der Kulturhauptstadt – so weit so gut. Weiters sei das Projekt aber in zwei Pole aufzuspalten, der eine mit Schwerpunkt auf Ausstellungen, Symposien, internationaler Kulturarbeit und der zweite mit Ausrichtung auf Sammlungsbestände und eine aktive Leihgabenpolitik, Forschung und pädagogische Vermittlungarbeit (sprich: mit Schulklassen etc.). Diese Abteilung werde den zukünftigen Depots (Architekt Corinne Vezzoni) eingegliedert. In diesem Zusammenhang dankt die Ministerin auch Michel Colardelle und seiner Mannschaft für ihren Einsatz und bestätigt sie auch weiterhin in ihren Bemühungen um eben diese Arbeit an den Sammlungsbeständen!
Für die zukünftige Bespielung des Museums in Sachen Ausstellungen und kulturellen Aktivitäten die, laut Albanel, gegenüber dem ursprünglichen Projekt eine notable Erweiterung darstellten werde aber in Kürze ein neuer kompetenter Manager bestellt…
Dies ist jedoch noch nicht alles: das Fort Saint-Jean, integraler Bestandteil des Museumskonzeptes und bereits seit sechs Jahren genutzter Ausstellungsbereich, soll zu Gunsten privater Nutzungen frei gemacht werden, um so eine künftige Einnahmequelle zu schaffen.
Fortsetzung folgt!

Hollands Blick auf die Welt

Geschrieben von am 17. Dezember 2008 18:08

– im Tropenmuseum in Amsterdam. Ein Museum in dem man Stunden verbringen kann, immer wieder Neues entdeckt und Lust hat wieder zu kommen. Kann man Schöneres von einem Museum sagen?

Seit mehr als 10 Jahren unterzieht sich das Tropenmuseum einer langsamen Wandlung. Vom einstigen Kolonialmuseum ist es inzwischen zu einem lebendigen Museum aussereuropäischer Kulturen geworden. Die Geschichte des holländischen Kolonialismus wird dabei keineswegs verschwiegen sondern bewusst und (selbst)kritisch eingearbeitet. Den Objekten aus der „klassischen“ Sammlung stehen heutige Produkte des täglichen Gebrauchs ebenso gegenüber wie Werke und Installationen zeitgenössischer Künstler. Dies ist ein ganz bewusster Wunsch der Amsterdamer Museumsdirektion, um einerseits ein neues Publikum anzusprechen und andererseits zu zeigen, dass auch ausserhalb Europas und der anderen grossen Industrienationen durchaus interessante Kunst entsteht.
Moderne Technik steht neben altbewährten – und oft als antiquiert angesehenen –  Gestaltungselementen. Beispiel: im Bereich Latein-/Südamerika kann man in einem nachempfundenen Café sitzen, an einer Wand eine Vitrine die dem populären Catch gewidmet ist und auf einem Fernseher in der Ecke verschiedene emblematische Ereignisse bzw. Personen abrufen (Eva Peron, Che Guevara, „Mann mit der Silbermaske“…). Will man mehr wissen, geht man durch die spärlich beleuchtete „Strasse“ ins Cybercafé um am Computer seine Recherchen weiterzuführen.
Im „islamischen“ Bereich duften die Gewürze in grossen Säcken unter einer Coca Cola Reklame, in der Jukebox kann man zwischen modernem Türkenpop, mittelalterlicher Lautenmusik oder einem Video einer ägyptischen Schönheit wählen, die singend und bauchtanzend die Strassen Prags (!) durchwandert oder sich Hochzeitstänze und -gesänge aus dem Hohen Atlas ansehen.
Ernsthafte wissenschaftliche Arbeit muss nicht unvereinbar mit Humor sein. Kein Objekt ist isoliert, aktuellen Fragestellungen wird ebensowenig ausgewichen wie einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Alle Texte sind zweisprachig (holländisch und englisch), nicht zu lang doch ausreichend informativ und Dank des Einsatzes moderner interaktiver Medien jederzeit erweiterbar.
Ein absolutes Lieblingsmuseum!

Upside Down

Geschrieben von am 7. Dezember 2008 19:49

Das Musée du Quai Branly (Paris) zeigt zur Zeit die Ausstellung „Upside Down – les Arctiques“. Doug Wheeler, amerikanischer Experimentalkünstler und Szenograph der Ausstellung und Edmund Carpenter, Filmemacher und Anthropologe, ihr Kommissär wollen sie bewusst ohne Kommentare um den Besucher zu einer virtuellen Wanderung durch die Polarwelt einzuladen. Einzige Informationsquelle, eine kleine Broschüre die Objektekartelle und andere Texte ersetzen soll.

Der Raum ist in bläuliches Licht getaucht, durch die grossen gefärbten Glasfenster sieht man schemenhaft die Bäume des umliegenden Gartens, die Vitrinen von unten mit Neonröhren erleuchtet erinnern an Eisblöcke, die Beschallung lässt den Wind auf den riesigen Eisflächen erahnen. Das alles sieht auf dem Papier chic und trendy aus. In der Realität gehen die Besucher ratlos (und fröstelnd) zwischen den Glaskästen herum, wissen nicht was sie sehen. Die Objekte, Masken, kleine Skulpturen, sind berührend schön, mit einer bewunderungswürdigen Finesse ausgeführt, fremdartig… Man möchte so vieles wissen. Man möchte wissen wer die Menschen sind die diese zauberhaften kleinen Eisbären geschnitzt haben, wer diese Masken trug und warum… das magere Heftchen gibt kaum Antworten, die zum Grossteil sehr kleinen Objekte sind oft auf Kniehöhe angebracht, die zur Verfügung gestellte Lupe macht die Frustration nur noch grösser. Warum nicht wenigstens ein kurzer Film im Eingangsbereich, der erlaubt die Gegenstände zu situieren, mehr über ihre Erzeuger und Benutzer zu erfahren? Ein Film wird dort allerdings gezeigt: ein Willkommentanz bei dem die Bilder auf dem Kopf stehen…
Der Quai Branly bleibt sich treu: „Volkskunst“ soll schön zum Anschauen sein, auf den Rest pfeift man!

Überraschende Nominierung

Geschrieben von am 1. Dezember 2008 16:28

Italiens Regierung ist immer für Überraschungen gut: diesmal kommt sie aus der Museumsszene. Da wurde nämlich der 63 jährige Mario Resca zum Direktor der nationalen Museen und Galerien ernannt.  Resca ist weder Kunsthistoriker noch Museumsmanager, sondern „schlichter“ Museumsbesucher wie er in einem Interview feststellte. Er habe auch nichts über fast-food gewusst bevor er McDonalds leitete, und nichts über Glücksspiel bevor er zum Kasinodirektor ernannt wurde… Einig sind sich aber alle über seine Manager Fähigkeiten. Und daran scheint Bedarf zu sein, ist doch kein einziges der italienischen Museen unter den internationalen Tophäusern zu finden. Seine Ambition ist es, das Image der Kunstsammlungen aufzuwerten, den Kulturtourismus anzukurbeln und dem Vorbild des Louvre im internationalen Ausstellungsaustausch zu folgen. Man darf gespannt sein…

Museum Liaunig

Geschrieben von am 23. September 2008 18:24



Kärnten hat Gott sei Dank noch anderes zu bieten als Jörg Haider! Am 29. August eröffnete ein neues Privatmuseum das in erster Linie der österreichischen Kunst nach 1950 sowie einer einzigartigen Sammlung afrikanischer Goldobjekte gewidmet ist. Der Sammler Dkfm. Herbert Liaunig plant vorderhand nur Werke aus der eigenen Sammlung zu zeigen und auf Sonderausstellungen zu verzichten. Der von querkraft konzipierte Bau aus Sichtbeton, Stahl und Glas besteht aus einem Schaudepot (600 m2), einem 160 Meter langem, 13 Meter breitem und 7 m hohem tunnelförmigen „white cube“, einem Graphikraum (500m2) und einem unterirdischen Kubus in dem das „Gold der Akan“ gezeigt wird. Nur der lang gezogene Galerietrakt ist von aussen sichtbar und bietet von seinen Terrassen Ausblick auf die umliegende Landschaft. Unter den über 2000 Werken österreichischer Gegenwartskunst (Malerei, Plastik, Graphik aber auch Architekturentwürfe) finden sich Arbeiten von Erwin Wurm, Moldovan, Brus, Pichler, Wotruba, Prantl, Staudacher etc. aber auch Werke ausländischer Künstler wie Soulages oder Mullican.

Gute Nachrichten

Geschrieben von am 16. September 2008 18:03

Vor etwa 30 Minuten gab die französische Kulturministerin Christine Albanel bekannt, dass Marseille 2013 europäische Kulturhauptstadt sein wird. Dies ist nicht nur eine vorzügliche Nachricht für die Stadt Marseille die dringend ökonomische, touristische und natürlich kulturelle Initiativen braucht sondern auch für das MuCEM. Das Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée, seit langem versprochen, war ein wichtiger Pluspunkt für die Kandidatur Marseilles. Man darf also hoffen, dass spätestens 2013 dieses neue Museum seine Pforten öffnen wird!

Sitzmöbel IX

Geschrieben von am 11. September 2008 12:17



Nochmals „Sitzen im MuCEM“, diesmal als künstlerische Installation im Rahmen der Kandidatur von Marseille als europäische Kulturhauptstadt 2013 und der Ausstellung „Horizons 2013 – le projet Euroméditerranée„: verschiedene Stühle um Michelangelo Pistolettos Tisch der das Mittelmeer repräsentiert.

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