Tiere beobachten im Museum II

Geschrieben von am 26. Oktober 2010 14:03

Wir beobachten weiter Tiere im naturhistorischem Museum Basel. Hinter einer Glasschiebetür verbirgt sich die Abteilung Quagga & Dodo – die Abteilung der bedrohten und ausgestorbenen Tierarten.

Ein Panda begrüsst uns in einem weissen, kühl wirkenden, aber sehr ansprechend gestalteten Räumen. Laut Internetseite mutet die Gestaltung (von Trinidad Moreno) der Idee der „Archive des Lebens“, der Depoträume an. Ich fühlte mich hier auch wie in einer Art künstlerischen Enklave.

Die Tiere werden, wie es das Prinzip naturhistorisches Museum quasi vorgibt in Dioramen inszeniert. Diese Dioramen gewähren mit der schicken Milchglasstruktur von beiden Seiten Einblicke und machen so neugierig auf die Zusammenhänge, geht es hier doch auch darum, bei der Besucherin Bewusstsein zu wecken, warum die Tiere ausgerottet werden und was dafür getan werden kann, damit das nicht mehr passiert.

Eine sehr schöne Inszenierung, die einmal mehr zeigt, das auch naturhistorische Museen Orte szenografischer Entfaltungsmöglichkeiten sind.

Sitzen im Museum XXIII

Geschrieben von am 24. Oktober 2010 12:30

So sitzt es sich im naturhistorischem Museum Basel.

Tiere beobachten im Museum I

Geschrieben von am 10. September 2010 15:29

Naturhistorische Museen sind immer ein bißchen vorhersehbar – auch wenn man manche Tiere nicht kennt, weiss man irgendwie, was einen erwartet. Deswegen gehe ich vielleicht auch so gerne dort hin! Das Naturhistorische Museum von Basel macht da keine Ausnahme. Das Museum ist in einem ehrwürdigen Haus untergebracht, Tiere und Modelle begleiten einen auf dem Weg durch das Haus.
Und, wie man sieht, bieten ungewöhnliche Ansichten.

Schön sind auch immer wieder die Dioramen: sie gehören einfach zum Museum.

Das Museum ist gerade aber auch dabei, einzelne Abteilungen umzubauen. Dies erfolgt etwa in Form von Interventionen, die neue Sichten und altes Mobiliar kombinieren.
Und dabei entstehen so schöne Inszenierungen wie diese, in der Abteilung Schmetterling & Tintenfisch



Meine absolute Lieblingsabteilung aber ist: Quagga & Dodo. Dazu bald mehr!

Das virtuelle Museum der ganz anderen Art

Geschrieben von am 3. September 2010 08:30

Manchmal ist eine Idee da, ein Konzept, ein Ort – dann fällt plötzlich das Geld oder der Auftraggeber will plötzlich nicht mehr.
Was nun? Dem Schweizer Ausstellungsmacher Beat Gugger kam in diese Situation und anstelle einer schönen Ausstellung steht nun ein Video im Netz. Es stammt von 2006, ich habe es auf Kultpavillonblog gefunden. Und es ist immer noch spannend, es anzusehen.

Figurinen XIII

Geschrieben von am 30. August 2010 21:47

Diese Figurine gehört zu den Highlights der bisher vorgestellten: sie sitzt zwar nicht im Museum, sondern in einem putzigen Häuschen in der Ermitage in Arlesheim. Es handelt sich um den Waldbruder höchstpersönlich, der hier im Landschaftsgarten die Stellung hält.
Was man ihm jetzt nicht ansieht: er kann seine Hand bewegen. Leider ist er nur am Wochenende zu besichtigen. Von wann der Waldbruder stammt, ist nicht gesichert – auf dem Blog Der Wanderer von Arlesheim kann man aber mehr über seiner Geschichte erfahren.

Es ist Sommer. Zeit, in den Park zu gehen

Geschrieben von am 9. August 2010 22:10

Zum Beispiel in den ältesten Landschaftsgarten der Schweiz: in die Ermitage in Arlesheim.

Mit der Straßenbahn geht’s von Basel aus in die Ortschaft Arlesheim. Hier verfolgen wir den Weg durch das Städtchen, was vor uns schon sehr viele Besucher und Besucherinnen getan haben: Schon 1785 eröffnet der Garten, den Balbina von Andlau-Staal und Cousin der Domherr Heinrich von Ligerz erbauen ließen: Hier gab es alles, was zu einem richtigen Landschaftsgarten gehörte: Wasserfall, Eremitenklause, Grotte, Brücke, Sennhütte und schöne Ausblicke.

Nach der Französischen Revolution wurde die Parkanlage zerstört, war sie doch schließlich auch ein Zeichen feudalistischer Herrschaft.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte der Wiederaufbau – auch das Schloss Birseck wurde wiederhergestellt.

Heute gehört die Anlage einer Stiftung, die regelmäßig Führungen anbietet.
Und wenn man die verschlungenen Pfade und den Wald verlassen hat, geht’s zum See. Hier lassen sich Naturerscheinungen der besonderen Art beobachten – die gar nicht so romantisch sind.

Bonusmaterial zu Neuchâtel: Schokolade

Geschrieben von am 27. November 2009 13:45

Das Plakat stimmt eher nostalgisch, doch die Ausstellung ist es nur bedingt: Le monde selon Suchard im Musée d’Art et d’Histoire in Neuchâtel. Natürlich weiss man auch sofort, um was es geht – um die Schokolade von Suchard, hierzulande sofort mit der lilafarbenen Packung von Milka assoziert. Suchard wurde 1825 von Philippe Suchard in Neuchâtel gegründet und bestand – mit wechselnden Besitzern bis 1996, als der damalige Besitzer Kraft Foods die Herstellung einstellte. Lesen Sie den Rest des Beitrags »

Auf zur museologischen Bildungsreise nach Neuchâtel

Geschrieben von am 16. November 2009 11:05

Wenn ich eine Ausstellung des Jahres wählen dürfte, dann wäre diese ganz vorne mit dabei: Parce queue. Wenn man das etwas verkürzt ausspricht, hört sich das an wie Warum? – es geht um la queue, um den Schwanz – mit all seinen Bedeutungen.

Warum gerade der Schwanz? Einiges erklärt sich dadurch, dass wir im naturwissenschaftlichen Museum, sind, genauer im Muséum d’histoire naturelle von Neuchâtel.
Ausgehend von dem Satz von Charles Darwin aus in der Evolotionstheorie „Schon wenn ich den Schwanz eines Pfaus sehe, wird mir schlecht“, wird hier die Geschichte des Schwanzes aufgerollt, in der Evolution, aber auch in der Kulturgeschichte – mit mit all den Doppeldeutigkeiten, die dem Wort zu eigen ist. Das ist so pfiffig, so spannend und kurzweilig gemacht, das man am Ende der Ausstellung – wo ein sprechendes Sperma den Abgang erleichtern soll – so richtig enttäuscht ist, dass sie schon zu Ende ist.

Doch von vorne: Wir sind in einem naturwissenschaftlichen Museum, deshalb fängt man hier von vorne an – bzw. nach einer Installation von schwanzartigen Gebilden sind wir beim Fisch angelangt, dessen Schwanzflosse in der Evolotion am Anfang steht. Kleine Fische schwimmen in Aquarien, Tafeln erläutern Grundlegendes. Schön ist hier die gestalterische Idee, darzustellen, wie die Menschen die Natur imitieren – in Form von Plastikfischen.

Danach geht es eher klassisch zu: das heisst, die Evolution der Schwänze wird mit Tierskeletten visualisiert, und erklärt, warum der Menschen keinen Schwanz bzw. nur den Rest davon aufweist. Man erfährt auch, wofür Schwänze im Tierreich eigentlich gut sind. Die vielfältigen Funktionen werden mit Gegenständen aus der menschlichen Sphäre erklärt – wie das Paddel für den Biber oder die Krücke für das Känguruh. Und man erfährt, das Schlangen – von denen man sich einige lebende Exemplare in Terrarien anschauen darf, nicht nur aus einem Schwanz bestehen und wofür Vögel den Schwanz brauchen.

Die nächste Ausstellungssektionen beschäftigen sich mehr mit den kulturellen Bedeutung des Schwanzes. Im comic-artigen Wohnzimmer mit aufgemaltem Fenster und Bildern kann man es sich mit Katze und Hund gemütlich machen, die Hauptdarsteller in verschiedenen Filmen sind. In verschiedenen kleineren Installationen geht es dann um die vielen Bedeutungsebenen von Schwanz – in der Kunst, im Märchen, in der Sprache oder in der Erotik. Es geht darum, weshalb der Mensch Tieren wie Hund oder Schwein den Schwanz abschneidet, zuweilen auch isst – sehr schön ist hier die Inszenierung des Ochsenschwanzes.
Es dreht sich auch darum, weshalb der Schwanz in Mythen so angstbesetzt ist. Dafür stehen der Drache oder der Schwanz des Teufels. Hinter vielen Gucklöchern sieht man die Erotik-Abteilung eines Züricher Antiquariats.
Und auch diese tierische Kuriosität wird einem in Erinnerung bleiben: Ratten, die sich mit dem Schwanz wärmen – und doch dabei gestorben sind.

Die Ausstellung ist interaktiv im besten Sinne – man muss sich schon mal bücken, um durch ein Guckloch den illuminierten Schwanz eines Zebras anschauen zu können oder man kann raten, was man da eigentlich vor sich hat. An anderer Stelle richtet die Besucherin selbst den Scheinwerfer auf die Vögel, klettert in Kuben und befindet sich dann in einer Comicwelt.

Eine wirklich hinreißende Ausstellung, ein sehr origineller Beitrag zum Darwin-Jahr!
Leider, leider gibt es keinen Katalog. Da hilft nur eines: selbst hingehen.
Wer im Museumsblog auch schon die Beiträge über die Ausstellungen Helvetia-Park und Retour d’Angola im Musée d’Ethnographie gelesen hat, weiss, dass diese Reise ein museologischer Höhepunkt sein wird. Bis Ende Februar 2010 bekommt man die drei Ausstellungen auf einen Streich. Die Ausstellung ist zweisprachig, auch die kleine, gerade im Umbau begriffene Dauerausstellung lohnt sich.

Die Ausstellung rezensiert in der NZZ.

Die Sammlung in Szene setzen

Geschrieben von am 5. November 2009 09:47

Besucht man das Musée d’Ethnographie in Neuchâtel, dann weiss man, dass man sozusagen eine sichere Bank betritt (als diese noch sicher waren): Gute Ausstellungen sind hier garantiert.
Das betrifft nicht nur die hier schon vorgestellte Ausstellung Helvetia-Park, sondern auch die Präsentation der ständigen Sammlungen. Retour d’Angola, die seit Dezember 2007 laufende Ausstellung, ist allein deswegen sehenswert, da sie sich mit einer zentralen Frage in ethnographischen Museen auseinandersetzt: wie gehen wir mit unserer Sammlung um?

Die Ausstellung würdigt Théodore Delachaux (1879-1949), Schweizer Künstler und Sammler, zwischen 1921 und 1945 Konservator und Forscher am MEN. Delachaux organisierte und begleitete zwischen 1932 und 1933 die Forschungsreise nach Angola, um Objekte für das Museum zu sammeln.
Die Ausstellung möchte aber noch mehr: sie nimmt die ethnographischen Methoden der Zeit unter die Lupe, das Forschen, das Sammeln, verfolgt den Weg, wie Gegenstände zu Museumsobjekte werden und was mit Objekten im Museum passiert – in der Vergangenheit wie in der Gegenwart. Die Ausstellung thematisiert das in vier Stationen: Vorbedingungen, Aufbruch, das Terrain und das Zurückkommen und der Umgang mit den Objekten.

Im ersten Raum „Das Entstehen des Blickes“, von dem auch das Bild (vom MEN) stammt, geht es um Delachaux und seine vielfältigen Talente als Maler und Zeichner – etwa von Plankton schon – mit 10 Jahren schon publizierte Delachaux ein erstes Buch mit seinen naturwissenschaftlichen Zeichnungen. Die Karriere als Maler und Kunstlehrer, gleichzeitig als Konservator am Museum wird thematisiert. Fast in Gänze gezeigt wird seine Spielzeug-Sammlung, die er schon als Kind anlegte. Die Präsentation ist sehr interessant: auf den ersten Blick wirkt der Raum wie eine anheimelnde Wunderkammer, eine Gelehrten-Stube. Doch die Vitrineninstallation hat so gar nichts Anheimelndes, sondern etwas Seziererisches und verweist auch schon auf die Perspektive des Forschers. Delachaux hatte auch klare museologisch Vorstellungen: zwei Vitrinen wurden nach seinen Vorgaben rekonstruiert.
Im Raum „Im Abschiedsfieber“ wird mächtig inszeniert: Listen von Delachaux mit Gegenständen, die mitgenommen werden müssen, Briefwechsel und Notizen sind übergroß auf Fahnen appliziert. Damit soll das Programm der Expedition nach Angola nachvollzogen werden. Im Mittelpunkt stand hier vor allem: Lücken füllen.
Im nächsten Raum ist man schon vor Ort – Im Terrain. Das Terrain wird vor allem mit Fotografien inszeniert. Delachaux setzte schon sehr früh auf die Fotografie. In Angola fertigte er und sein Kollegen Thiébaud über 2500 Fotos an, die nun auf zwei Ebenen gezeigt werden – auf einer eher künstlerischen und auf der dokumentarischen.
Im letzten Raum „Das große Auspacken“ sind wir wieder zurück im Museum und schauen uns sozusagen an, was wir alles mitgebracht haben. Das beginnt mit dem Schock: wie und wo bringt man überhaupt die über 3500 gesammelten Objekte unter? Vor allem geht es darum, wie die mitgebrachten Objekte eingeordnet, beschrieben, restauriert und klassifiziert werden – damals wie heute. Eine Installation im Raum widmet sich den Meisterwerken – denen, die bereits vom Kunstmarkt akkzeptiert sind und hohe Preise erzielen (könnten) und denen, die möglicherweise noch Wertsteigerungen erfahren werden.

Die Ausstellung endet mit Fragen – die symptomatisch für viele Sammlungen stehen können – wie: Sind jetzt die Lücken im Museum wirklich gefüllt? Haben die Objekten noch eine Verbindung zu den Ursprungs-Populationen? Sollen wir sie wieder zurückgeben? Wie wird sich der Marktwert entwickeln und was hat das mit dem Museum zu tun?
Im Zentrum steht eine Antwort, die Delachaux häufig in Angola hörte: Das kann ich nicht verkaufen, das gehört mir nicht – quasi die Quintessenz für museale Sammlungen. Die letzte Frage lautet deshalb konsequenterweise: Rückkehr nach Angola?

Es ist eine sehr sympathische Ausstellung, weil sie sich ganz unaufgeregt mit zentralen Fragen im Museum beschäftigt und zugleich sehr beispielhaft argumentiert. Die Ausstellung ist abwechslungsreich inszeniert, ohne überinszeniert zu wirken.

Die Ausstellung begleitet eine Broschüre der Reihe Texpo, ein Begleitbuch wird demnächst erscheinen.

Kluger Spass im Museum

Geschrieben von am 29. Oktober 2009 17:34

Helvetia Park heisst die Ausstellung, die zur Zeit im Musée d’Ethnographie in Neuchâtel zu sehen ist. Zu sehen ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck, denn die Ausstellung ist im schönsten Sinne des Wortes interaktiv. Bei der Kasse erhält die Besucherin einen kleinen Stapel Münzen, die sinnigerweise Heidi heissen. Mit den Heidis ausgerüstet, begibt man sich in die Museumsräume und sieht sich als erstes einer Schießbude, einem Karussell und einem Autoscooter (ich kenne das unter dem Namen Boxauto) gegenüber. Helvetia Park ist eigentlich ein Jahrmarkt, mit Karussel, Geisterbahn und Wahrsagerin – aber um sich alles genau ansehen zu können, muss man Geld investieren – schon einmal eine erste Erkenntnis.

Es wäre aber nicht das Musée d’Ethnographie, das uns schon so lange und immer wieder mit außergwöhnlich innovativen Ausstellungen beglückt, sich mit einer massgetreuen Umsetzung eines Jahrmarktes im Museum zufrieden geben würde. Nein, die 11 Stände oder Module dienen natürlich als Metaphern und das bekommt man schnell mit.
Es geht in der Ausstellung um das Verständnis von Kultur in der Schweiz in den unterschiedlichsten Zusammenhängen, darum, wie Kultur funktioniert bzw. nicht funktioniert, um die Verflechtungen von Geld und Kultur, um Verständnis und um Mißverständnisse, um die Beziehung zwischen der sogenannten low und high culture.

Die Stände funktionieren nur auf den ersten Blick ähnlich wie auf dem Jahrmarkt – im Prinzip. Zum Beispiel der Autoscooter: dort möchte man natürlich sofort anfangen, die so hübsch gestylten Autos zu steuern – die kleinen Autos bewegen sich aber nicht so, wie man möchte, auch wenn man am Rand noch so sehr am Rad dreht. Sie drehen sich statt dessen nur autistisch um sich selbst oder in eine bestimmte Richtung. Culture Crash heisst hier das Schlagwort. Dazu möchte ich aus der Presseerklärung des Museums zitieren:

„Als Metapher der ganzen Ausstellung, die für eine dynamische und ständig neu entwickelte Konzeption der verschiedenen interagierenden Felder plädiert, spielt dieser Sektor mit einem Schema des Anthropologen James Clifford, das ganz bestimmte «Auffahrkollisionen», insbesondere zwischen den Welten der Kunst, der Folklore und der Ethnographie, bezeichnet. Aufgrund seines Designs und seiner Fahrweise verkörpert jedes Fahrzeug eine Facette dieses in ständiger Bewegung befindlichen Universums: das Modell «Folklore» ist langsam und schwerfällig, lässt sich aber nicht so leicht von seinem Kurs abbringen, das Modell «Gegenwartskunst» reagiert auf eine Vierteldrehung, ist aber stossempfindlicher, und das Modell «Ethno» bewegt sich ausschliesslich am Pistenrand.“

Nach diesem Prinzip sind die anderen Stände aufgebaut: der Ballwurfstand wird zum Battleground; mit Bällen kann man auf Sündenböcke zielen. Im Karussel fährt man eine Eternal Tour – und begegnet den mehr oder weniger traditionellen Festen in der Schweiz bzw. den Invention of Traditions.

Der Schießstand heisst hier Telldorado – es geht um die feinen Unterschiede und um Geschmack, herunter dekliniert anhand von den immer gleichen Gegenständen, die aber, genauer hingeschaut, doch sehr große Unterschiede aufweisen.

Im Abnormitätenkabinett trifft man in erster Linie auf merkwürdige Museumsobjekte; der Bogen spannt sich von einem Fetisch aus der Elfenbeinküste bis hin zum Hundespielzeug aus der Schweiz.
Wenn man schließlich noch bei der Wahrsagerin vorbeigeschaut hat, bei Madame Helvetia, die einen mit dem sogenannten Expertenwissen aller Couleur überhäuft, möchte man am liebsten nochmals eine Runde drehen – wenn das Heidi money nicht schon alle wäre.

Eine kluge Ausstellung, die aber nicht moralisch wird, sondern immer mit einem Augenzwinkern agiert. Eine Ausstellung, die wirklich Spaß macht, die einen teilweise Überwindung kostet – die Geisterbahn mochte ich noch nie, und auch diese hier hat es in sich. Eine Ausstellung, die mit der Entdeckerfreude der Besucherin spielt und die Erwartungen einfach hinterläuft – die aber immer etwas mit auf den Weg gibt. Eine Ausstellung, die man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte!

An Gelegenheiten wird es nicht mangeln: Helevtia-Park ist als dreisprachige Wanderausstellung konzipiert: Bis Mitte Mai ist sie in Neuchâtel zu sehen, danach geht die Ausstellung in der Schweiz auf die Tour. Nächster Ausstellungsort ist dann ab 18. Juni 2010 das Völkerkundemuseum in St. Gallen.

Die Ausstellung entstand im Rahmen des Programms Ménage – culture et politique à table“ der Schweizer Stiftung Pro Helvetia – auch diese Seite lohnt sich anzuschauen – einfach sehr gut und unterhaltsam gemacht. Hier kann man sich auch Presseunterlagen zur Ausstellung herunterladen.

Die schönen Fotos in diesem Beitrag stammen vom Museum.
Einen Ausstellungskatalog gibt es noch nicht, dafür das Heft aus der Reihe Texpo, das einen mit schönen Texten und Bildern auch noch zu Hause erfreut.

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