Stopfpilz und Joghurtbecher im Museum

Geschrieben von am 30. März 2007 12:10

Im Deutschen Historischen Museum in Berlin ist eine neue Ausstellung aus der Reihe „Aus den Sammlungen des DHM“ zu sehen: In „Parteidiktatur und Alltag in der DDR“ geht es um den Einfluss der SED auf das tägliche Leben der DDR-Bürger und darum, wie die Partei dieses Leben dominierte bzw. wie sich die Bürger der SED entziehen konnten und wie die SED letztendlich scheiterte.
Viele Exponate stammen aus der Zeit, als 1990 das DHM die DDR-Bevölkerung aufrief, Dinge des Alltags ins Museum zu bringen. Viel kann das nicht gewesen sein, laut der Kritik in Deutschlandradio Kultur:

„Privates wird festgemacht an Fleischbrühpaste, einem Fernseher vom VEB Rafena, einem DDR-Stopfpilz, worin da das Typische besteht – unklar. Auch gehören Bestecke, Vitaminpräparate, Joghurtbecher und eine Schrankwand zu den Alltagsauslagen.“

Insgesamt, so das Fazit von Deutschlandradio Kultur, bleibt „das Deutsche Historische Museum leider mit dieser neuen Sonderausstellung hinter eigenen vorangegangenen Ausstellungen zurück.“ Das Begleitprogramm klinge dafür vielversprechend.
Ich rätsele immer noch über das Wort „Gedenkobjekt“, mit dem die Kuratorin Carola Jüllig im Interview die Skulptur einer Fischwerkerin und die Jacke einer politischen Aktivistin bezeichnet.

Das Musée de l’Homme in Paris definiert sich neu

Geschrieben von am 29. März 2007 11:59

Seit die ethnologischen Sammlungen komplett in Besitz des Musée du Quai Branly übergegangen sind, muss das Musée de l’Homme die noch bei ihm verbliebene anthropologische Sammlung völlig neu aufbereiten. Der neue Direktor Zeev Gourarier, der vorher Konservator im volkskundlichen Museum MNATP war, das nach Marseille umgezogen ist, stellte schon einmal die Neukonzeption vor. In der geplanten Dauerausstellung dreht sich alles um den Menschen und um vier grundlegende Fragen: Wer ist der Mensch? Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? Die Umgestaltung soll vier Jahre dauern. Mit Wechselausstellungen soll auf die künftige Dauerausstellung Appetit gemacht werden. Seit Ende Februar ist nun die erste Schau zu sehen, „Die Saga des Menschen. Episode 1: Der ausgestellte Mensch„. In einer Art Zeitreise durch Jahrtausende werden Themen wie der imaginierte Mensch, die Natur des Menschen oder die Entdeckung des Anderen beleuchtet. Parallel zur Ausstellung findet man Artikel des Ausstellungsteams auf dem Sagablog. Interessant sind auch die sphärischen Klänge, die ertönen, wenn man auf der Internetseite zur Ausstellung surft.

Es gibt sie noch,

Geschrieben von am 27. März 2007 10:24


die schönen, etwas altmodischen Museen, die einen rühren und doch zugleich ein Kribbeln in den Fingerspitzen verursachen, da man sie gerne sofort umgestalten möchte. Bei diesem Museum handelt es sich um das Salzmuseum in Bad-Sooden-Allendorf, das der Heimatkundeverein des Ortes aufgebaut hat. Schätzungsweise in den 1980er Jahren wurden die sehr schöne Objekte zur Salzgewinnung und zum Kurort in dem anheimelnden Gebäude mit schiefen Dielenböden untergebracht. Gemeinsam mit dem Gradierwerk direkt daneben, dem Solebadehaus und einigen weiteren Relikten der Salinenstadt Allendorf und des Kurortes Bad Sooden ist sehr viel Potential vorhanden, um noch mehr daraus zu machen – ohne die Leistung des Vereins schmälern zu wollen.

Ein Museum über das Leben

Geschrieben von am 22. März 2007 13:04

Es sei ein Museum über das Leben von Juden und nicht über das Sterben von Juden, so erklärte Gründungsdirektor Bernhard Purin in Deutschlandradio Kultur die Idee des Jüdischen Museums in München, das heute mit zwei Ausstellungen eröffnet.
Gebäude und Ausstellungen kommen gut an, glaubt man den Feuilletons. Die Frankfurter Rundschau bescheinigt dem Museum einen „lässigen Umgang mit dem Raum“ und die Süddeutsche hebt hervor: „Es ist dennoch ein erstaunlich dichter, dabei belebender, ja unterhaltsamer Parcours durchs neue Haus entstanden; auch deshalb, weil man auf eine symbolhafte Plakatierung des Grauens verzichtete“.
Sehr lobenswert finde ich das Prinzip, nicht wie üblich auf eine „Exponat-Orgie“ (Purin) zu setzen und alles zu zeigen, was man hat, sondern die Aufmerksamkeit der Besucher auf gerade einmal 150 Objekte zu lenken. Weniger ist halt immer noch mehr.
Die Architekten des Museums, das zu einem Komplex von Synagoge und Gemeindehaus gehört, ist die Gruppe Wandel Hoefer Lorch aus Saarbrücken. Die Ausstellungsgestaltung übernahm Martin Kohlbauer aus Wien.

Was wird aus Hamburgs Museen?

Geschrieben von am 22. März 2007 11:06

In der Hamburger Museumsszene rumort es ganz heftig, wie aus einem Artikel des Hamburger Abendblattes zu erfahren ist: erst kündigte der Geschäftsführer des völkerkundlichen Museums, nun legte die Direktorin des Altonaer Museums ihr Amt nieder. Der Leiter des archäologischen Helms-Museum sei auch ganz frustriert, so erfährt man. Grund dafür ist die geplante Museumsreform, die die vier kulturhistorischen Museen der Stadt zusammenlegen möchte: Altonaer Museum, Helms-Museum, Museum der Arbeit und hamburgmuseum werden sich dann als Hamburg-Museum gemeinsam präsentieren. Für das Altonaer Museum, das gerade ein neues Konzept für die Dauerausstellung sucht, war wohl eine Sondervereinbarung getroffen worden, die es von den Reformbestrebungen ausnimmt. Diese Vereinbarung sah die Direktorin von Altona bedroht. Als einzige möchte sich laut Abendblatt nur die Direktorin des Museums der Arbeit gerne der neuen Herausforderung stellen.
Auf der Seite der Hamburger Kulturbehörde kann man sich den Museumsentwicklungsplan vom Dezember 2006 als Pdf herunterladen.

Die Dresdner, die Brücke, das Weltkulturerbe und das Oberverwaltungsgericht

Geschrieben von am 14. März 2007 10:17

Die Bürger wollten die Brücke über die Elbe, nun bekommen sie sie: das Sächsische Oberverwaltungsgericht hat jetzt entschieden, dass der Bürgerentscheid umgesetzt werden muss. Die Bürger hatten sich 2005 für die Brücke in den Elbauen entschieden. Damit verliert Dresden höchstwahrscheinlich den Weltkulturerbe-Status, den die Stadt für das Ensemble von Landschaft und Architektur erhalten haben. Das ist halt Demokratie!
Über die Waldschlösschenbrücke schreibt der Spiegel, die Frankfurter Rundschau und die FAZ.NET und hier gibt es einen Rückblick im Museumsblog.

Wie ein Museum ins Handelsregister kommt

Geschrieben von am 13. März 2007 11:16

Geschlossen, aber nicht vergessen: das Museum für Gestaltung in Basel, das 1989 aus dem 1886 gegründeten Gewerbemuseum hervorgegangen ist. 1996 beschloss Basel, das Museum aus Kostengründen zu schließen, obwohl sich das Ausstellungshaus international einen sehr guten Ruf für innovative Ausstellungen erarbeitet hatte. Dazu gehören die Ausstellungen mit Titeln wie „Rechts oder Links“, „Gemischte Gefühle oder die „Tücke des Objekts“, zu denen auch immer einfallsreiche Publikationen veröffentlicht wurden. Matthias Götz und Bruno Haldner führten das Museum mit einem kleinen Team als GmbH weiter. Bis heute ist das ehemalige Museum als „Museum für Gestaltung GmbH“ im Handelsregister der Schweiz eingetragen.
Leider habe ich nie eine Ausstellung des Museums für Gestaltung gesehen, erinnere mich aber an Lobeshymnen in den einschlägigen Zeitungen. Im Internet lässt sich die Arbeit des Museums in groben Zügen nachvollziehen.

Jean Baudrillard und die Medienkunst

Geschrieben von am 8. März 2007 10:38

Peter Weibel, Künstler und Leiter des ZKM in Karlsruhe, erinnert sich an seinen am 6. März verstorbenen Freund Jean Baudrillard:

„Ohne die Reflexionen der französischen Philosophie, besonders von Baudrillard, Jean-François Lyotard oder Gilles Deleuze, wären solche Positionen nie durchsetzbar gewesen. Sie haben überhaupt erst einen Begriffsapparat geschaffen, der bei der Etablierung von Medienkunst geholfen hat – bis hin zur Errichtung des ZKM in Karlsruhe.“

Gelesen in der taz.
Das ZKM bietet auf seiner Seite ein ausführliches Dossier zu Baudrillards Schaffen.

Der Wüstenlouvre bringt eine Milliarde

Geschrieben von am 7. März 2007 10:20

Le Monde berichtet, dass am 6. März der Vertrag zwischen Frankreich und den Vereinigten Emiraten unterzeichnet wurde: 2012 soll das Universalmuseum „Louvre Abou Dhabi“ errichtet werden. Dafür erhält Frankreich, nicht wie Le Monde zuvor ausgerechnet hatte, 700 Millionen Euro, sondern sogar eine Milliarde. Bei diesem Preis, so stellt Liberation süffisant fest, hat man die Themen, die problematisch werden können, tunlichst vermieden (etwa ob nackte Frauen auf den ausgeliehenen Bildern zu sehen sein werden).
Frankreich leiht im Gegenzug, wie bereits hier, hier und hier im Museumsblog ausgeführt, Bilder, stellt Experten und Ausstellungen. Mit dem von Jean Nouvel konzipierten Bau soll noch in diesem Jahr begonnen werden.

Welche Stellen es im Museum so gibt

Geschrieben von am 7. März 2007 09:42

In einer Stellenanzeige, die mich über die Mailingliste H-Museum erreicht hat, wird für eine große Kunstsammlung eine Person für halbtags gesucht, die handwerkliche Fähigkeiten haben soll, die organisatorische und praktische Vorbereitung sowie die Überwachung von Kunsttransporten übernimmt, Kontakt zu Kunstspeditionen pflegt, die bei der Administration des Leihverkehrs mitarbeitet sowie bei Ausstellungsaufbau und -organisation, die Inventarpflege betreibt und das Graphikdepot und Zierrahmendepot ordnet.
Das alles ist als Auswahl gekennzeichnet. Denn es geht noch weiter: die gesuchte Person soll im Umgang mit Kunstwerken Sorgfalt und Fachwissen vorweisen können, Praxiserfahrung haben, sich gut mit EDV auskennen, Grundkenntnisse in der digitalen Fotografie haben, perfekte Deutschkenntnisse sowie Fremdsprachenkenntnisse (Englisch sowie Italienisch und/oder Französisch) vorweisen können, teamfähig sein und ein sicheres Auftreten haben, belastbar sein, sehr genau und verantwortungsbewußt arbeiten, verschwiegen und loyal sein.

Wie bezeichnet nun der Arbeitgeber solch eine Stelle: nein, nicht Faktotum, sondern Registrar oder Museumstechniker/in, mit einer – Ausbildung im Bereich Registrar/Museumstechnik und/oder kunsthistorische Ausbildung. Über das Gehalt wird nichts verlautbart.

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